Companion Roboter: Thomas Derksen über Eva aus Shenzhen
Ein Companion Roboter ist ein humanoider Begleit-Roboter für emotionale Nähe und Alltags-Interaktion. Beim Startup Robonova in Shenzhen trägt diese Figur den Namen Eva.i. Vor Ort begleitet der in China bekannte Content-Creator Thomas Derksen den Rundgang durch die Prototypen-Halle. Wir haben uns angesehen, wie echt so ein Companion Roboter heute schon wirkt.
App zuerst, Körper später: Wie der Companion Roboter entsteht
Robonova baut nicht nur eine Maschine, sondern zuerst eine Plattform. Auf ihr folgen Nutzer digitalen Figuren wie in einem sozialen Netzwerk. Erst danach lässt sich die Figur als physischer Roboter nach Hause bestellen.
Eva.i ist dabei nur der Hauptcharakter. Daneben warten weitere Figuren mit eigener Geschichte und eigenem Lebenslauf. Jede Figur hat sogar vergangene Beziehungen hinterlegt.
Das dreht die übliche Reihenfolge um. Tesla, Figure oder Unitree bauen zuerst die laufende, greifende Maschine. Robonova lässt den Charakter zuerst auf dem Handy entstehen und den Körper danach. Für Unternehmen ist dieser Plattform-Ansatz der eigentliche Kern, nicht die Hardware. Wie humanoide Roboter aus China den Markt aufrollen, zeigt diese Strategie beispielhaft.
37 Grad Körperwärme und 21 Berührungszonen
Eva.i misst rund 160 Zentimeter und hält eine Oberfläche von 37 Grad Celsius. Bis zu 21 Berührungszonen erkennen Kontakt an Wange, Hand, Rücken und Brust. Die Haut fühlt sich stark nach Silikon an, darunter sitzt spürbar Metall.
Genau diese Wärme ist technisch anspruchsvoll. Unter der Hülle sitzen Motoren, Akkus, Kabel und Rechner. Alle erzeugen Wärme, während die Oberfläche auf Hauttemperatur bleiben muss.
Jede Berührung braucht eine lokale Sicherheitslogik. Sie begrenzt Kräfte und stoppt Bewegungen sofort. Auf eine Cloud-Antwort kann ein Begleit-Roboter dabei nicht warten. Forschungslabore arbeiten an elektronischer Haut für Druck, Temperatur und Nähe. Diese zuverlässig über einen ganzen Körper zu bauen, bleibt eine der härtesten Aufgaben der Branche.
Was Eva.i kostet und warum
Die erste Generation soll rund 10.000 US-Dollar kosten. Robonova hält den Preis bewusst niedrig für den Einstieg. Eine frei laufende Version mit reichen Gesichtsausdrücken läge dagegen über 100.000 US-Dollar.
Der Grund ist das zweibeinige Gehen. Es verlangt Balance, starke Antriebe, Sturzsicherheit und ein großes Akkupaket. Die erste Eva.i sitzt deshalb stationär.
Ihr Wert liegt in Stimme, Erinnerung, Gesicht, Händen und Berührung. Trendforce schätzt den weltweiten Markt für Companion Robots bis 2030 auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Das ist noch kein Massenmarkt, sondern eine wachsende Premium-Kategorie. Auf Kickstarter erreichte das Projekt 158 Prozent seines Ziels mit 130 Unterstützern.
Use Cases: Von der Hotellobby bis zur Altenpflege
Im Kern zielt Robonova auf Privatkunden. Die Figur soll als Begleiter, emotionale Stütze oder Gesprächspartner dienen. Als Sprachmodell nutzt das Team chinesische und angepasste Open-Source-Modelle. Jede Sprache lässt sich ergänzen.
Daneben nennt das Unternehmen mehrere B2B-Felder. Dazu zählen Spiele- und IP-Firmen, Hotels, Retail und Showrooms. Ein Spielecharakter aus einer App könnte plötzlich real im Store stehen.
Auch die Altenpflege ist ein Thema. Personalmangel und Einsamkeit treffen viele Einrichtungen. Für Unternehmen empfiehlt sich ein klarer Blick auf konkrete Einsatzfelder statt auf die reine Neuheit. Ähnliche Fragen stellen sich beim Einsatz humanoider Roboter generell.
Warum China den Companion Roboter in den Export drängt
Robonova verkauft vor allem außerhalb Chinas, etwa nach Deutschland. Seit dem 15. Juli gilt dort ein Verbot für KI-Dienste mit dauerhaft simulierter emotionaler Beziehung. Nutzer müssen klar erkennen, dass ein System und kein Mensch antwortet.
Anbieter dürfen emotionale Abhängigkeit nicht zum Geschäftsmodell machen. Intime virtuelle Beziehungen für Minderjährige sind verboten. Gesprächsdaten müssen geschützt werden.
Das trifft den Kern von Eva.i. Der Roboter soll sich erinnern, warm wirken und eine Geschichte haben. Roboter in der Pflege bleiben in China erwünscht. Eine Maschine, die durch künstliche Nähe von Familie und Freunden wegzieht, jedoch nicht.
Fazit: Der Companion Roboter als neue Kategorie
Der Companion Roboter verschiebt den Fokus von Arbeit zu Bindung. Nicht Laufen und Greifen stehen im Zentrum, sondern Stimme, Wärme und Erinnerung. Thomas Derksen nennt das Tempo in Shenzhen nach zehn Jahren in China weiter beeindruckend.
Für Unternehmen lohnt der frühe Blick auf diese Kategorie. Emotionale Interaktion wird zum Produkt, mit klaren rechtlichen Grenzen. Ob daraus echte Bindung entsteht, bleibt die offene Frage hinter jedem Companion Roboter.
Häufige Fragen
Was ist ein Companion Roboter?
Ein Companion Roboter ist ein humanoider Begleit-Roboter für emotionale Nähe und Alltags-Interaktion. Anders als Industrie-Roboter steht nicht die Arbeit im Vordergrund, sondern Gespräch, Erinnerung und Berührung. Robonovas Eva.i beginnt als App-Avatar und wird erst danach als physischer Roboter bestellbar. Die Figur hält 37 Grad Körperwärme und erkennt Kontakt über bis zu 21 Berührungszonen. Trendforce sieht daraus eine wachsende Premium-Kategorie entstehen.
Wie viel kostet Robonovas Eva.i?
Die erste Generation von Eva.i soll rund 10.000 US-Dollar kosten. Robonova hält diesen Einstiegspreis bewusst niedrig. Eine frei laufende Version mit reichen Gesichtsausdrücken läge dagegen über 100.000 US-Dollar. Der Aufpreis entsteht durch zweibeiniges Gehen mit Balance, starken Antrieben und einem großen Akku. Die erste Eva.i sitzt deshalb stationär und setzt auf Stimme, Gesicht und Berührung.
Wie realistisch fühlt sich Eva.i an?
Die Oberfläche fühlt sich stark nach Silikon an und hält 37 Grad Körperwärme. Feine Details wie Adern an Händen und Füßen wirken auf Fotos kaum künstlich. Erst beim festeren Drücken wird das Metall im Inneren spürbar. Im Live-Test erkennt Eva.i die Kleidungsfarbe des Gegenübers und antwortet passend. Thomas Derksen beschreibt den Prototyp als beeindruckend und zugleich gewöhnungsbedürftig.
Warum verkauft Robonova vor allem außerhalb Chinas?
Seit dem 15. Juli gilt in China ein Verbot für KI-Dienste mit dauerhaft simulierter emotionaler Beziehung. Nutzer müssen erkennen, dass ein System antwortet, kein Mensch. Emotionale Abhängigkeit darf kein Geschäftsmodell sein, intime Beziehungen für Minderjährige sind verboten. Das trifft den Kern eines erinnernden, warmen Companion Roboter. Deshalb richtet Robonova den Verkauf stark auf den Export, etwa nach Deutschland.
Welche Use Cases gibt es für Companion Roboter in Unternehmen?
Neben dem Privatmarkt nennt Robonova mehrere B2B-Felder. Spiele- und IP-Firmen können bekannte Charaktere real in Stores oder auf Messen zeigen. Hotels und Retail setzen die Figur in Empfang, Verkauf und Showroom ein. Auch die Altenpflege gilt als Feld, wegen Personalmangel und Einsamkeit. Für Unternehmen empfiehlt sich ein klarer Blick auf konkrete Einsatzfelder statt auf die reine Neuheit.


















































































