Made in China ist ein Herkunfts-Label, das in Deutschland noch oft für billige Kopien steht. In Shenzhen gilt längst das Gegenteil. Im Vlog mit Leonard Schmedding führt China-Insider Thomas Derksen durch die Stadt. Er zeigt, wie DJI, Xiaomi und Daimon Robotics dieses Bild umdrehen.
Derksen lebt seit 12 Jahren in China und ist selbst Unternehmer in der Robotik. Er bringt fast jede Woche deutsche CEOs und Boards zu chinesischen Firmen. Für Unternehmen zählt dabei eine Frage: Was spart Kosten, und was bleibt Show? Genau das wollten wir ungeskriptet herausfinden.
Shenzhen: Robotik mitten im Hochhaus
Roboter kennt Deutschland vor allem aus Industrie-Gebieten. In Shenzhen sitzen die Firmen in normalen Hochhäusern mitten in der Stadt. Bei Robonova entstehen dort Companion-Roboter gegen die wachsende Einsamkeit. Bei Daimon Robotics trainieren Ingenieure Roboterarme mit taktiler Sensorik. So lernen Humanoide, Gegenstände richtig zu greifen.
Auffällig ist das Alter der Teams. Laut Derksen liegt der Schnitt selbst bei großen Firmen wie Unitree unter 30 Jahren. Fachlich gelten die Mitarbeiter trotzdem als sehr stark. Dazu kommt ein politisches Signal. Früher besuchten deutsche Kanzler in China BASF oder Volkswagen, zuletzt stand Unitree auf dem Programm.
Unsere Einordnung: Robotik ist in China Chefsache. Wer deutsche Use-Cases plant, sollte die Cluster in Shenzhen, Shanghai und Hangzhou kennen. Mehr Hintergrund zum Standort liefert unser Artikel über das Shenzhen Robot Valley.
Das DJI-Playbook: Premium statt Kopie
Lange lautete das Geschäftsmodell chinesischer Tech-Firmen: Innovation im Ausland kopieren und günstiger bauen. DJI brach mit diesem Muster. Der Gründer baute zuerst Modell-Hubschrauber und entwickelte eine stabile Gimbal-Technik. Danach setzte er eine Kamera darauf und verkaufte die Drohnen als Premium-Produkt in die USA.
Heute hält DJI laut Derksen 85 Prozent Marktanteil bei Consumer-Drohnen. Die Marke steht für eine ganze Kategorie. Dazu kommen Agrar-Drohnen, Gimbal-Kameras, Mikrofone und E-Bikes. Mit seinen Action-Kameras setzt DJI auch GoPro unter Druck.
Der größere Hebel ist das Ökosystem. Ingenieure lernen bei DJI und gründen danach eigene Hardware-Firmen. Ein Beispiel ist Bambu Lab, das mit 3D-Druckern eine der größten Kickstarter-Kampagnen der Welt fuhr. Investoren rennen DJI-Absolventen laut Derksen die Türen ein. Dieses Playbook wiederholt sich in Shenzhen hundertfach.
Neues Made in China: Forschung als Motor
Chinesische Firmen investieren hohe Summen in Forschung und Entwicklung. Huawei hat für seine Entwickler europäische Städte als Campus nachgebaut. Laut Derksen steigen die Returns pro investiertem Euro spürbar. Die Budgets zahlen sich also aus.
Bei der Bildung sieht Derksen ein gemischtes Bild. Theoretisch sind chinesische Absolventen sehr stark. Beim Praxis-Bezug liegt Deutschland weiter vorn. China richtet seine Universitäten nun konsequent auf Technologie aus und streicht Fächer ohne klaren Nutzen.
Ein UN-Ranking der World Intellectual Property Organization stützt das Bild. Unter den fünf größten Innovations-Clustern der Welt liegen laut Derksen drei in China. Bei der Zahl der Patente sticht die Region Shenzhen besonders hervor.
E-Autos: Grüne Kennzeichen und 40 Prozent Preisvorteil
Auf Shenzhens Straßen fahren fast nur Elektro-Autos. Grüne Kennzeichen markieren E-Autos und kosten nichts. Wer ein Verbrenner-Kennzeichen will, braucht Losglück und rund 15.000 Euro. Die Regierung bremst so Staus und Smog. Ladesäulen gibt es in jedem Parkhaus, und der Strom ist subventioniert.
Beim Preis ist der Abstand groß. Ein neues E-Auto kostet in Deutschland laut Derksen 70.000 bis 80.000 Euro. In China gibt es Vergleichbares für 30.000 bis 40.000 Euro. Er schätzt den Vorteil auf 40 bis 50 Prozent. BYD hat Tesla zuletzt bei den weltweit meistverkauften E-Autos überholt.
Deutsche Hersteller reagieren mit Partnerschaften. Audi hat in China eine eigene Marke mit dem Schriftzug AUDI statt der vier Ringe gestartet. Bosch und Siemens suchen gezielt chinesische Partner. Der Grund ist Geschwindigkeit. Iterationen und Produktzyklen laufen in China deutlich schneller.
Xiaomi: Vom Handy zum Sportwagen
Xiaomi startete mit guten und bezahlbaren Smartphones. Gründer Lei Jun verteilte am Anfang selbst Flyer. Dann folgte ein Schritt, den deutsche Konzerne selten wagen. Xiaomi holte die besten Ingenieure und baute Autos. Der Xiaomi SU7 Ultra stellte einen Rekord auf dem Nürburgring auf.
Im Showroom stehen Elektro-Zahnbürsten für umgerechnet 30 Euro neben dem Sportwagen. Leder, Nähte und Verarbeitung wirken hochwertig. Derksen nennt die Haltung dahinter unternehmerische Naivität. Wer Handys bauen kann, traut sich auch Autos zu.
Chinesische Gründer studieren den Westen dabei sehr genau. Sie lesen die Bücher von Steve Jobs und die Posts von Elon Musk. Reinhold Würth nannte Arroganz einmal die schlimmste Eigenschaft eines Unternehmers. Diese Arroganz kann sich Deutschland laut Derksen nicht mehr leisten.
Was Made in China für deutsche Unternehmen bedeutet
Deutschland war Jahrzehnte Exportweltmeister. Volkswagen machte zeitweise über 50 Prozent seiner Umsätze und Gewinne in China. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, und chinesische Autos drängen nach Europa. Derksen erwartet, dass deutsche Hersteller vor allem im Luxus-Segment stark bleiben, etwa Porsche und Maybach.
Für den Mittelstand heißt das: Lernen schlägt Abwehr. Wir empfehlen, chinesische Robotik-Anbieter früh zu prüfen und Partnerschaften zu testen. Unser Beitrag zu Daimon Robotics zeigt, wie weit taktile Sensorik schon ist. Wer agentische Robotik selbst lernen will, findet auf kilernen.de das passende Kursangebot.
Fazit: Made in China steht für Tempo
Made in China steht in Shenzhen heute für Premium-Produkte, hohe Forschungs-Budgets und schnelle Produktzyklen. DJI liefert das Playbook, Xiaomi den Beweis. Junge Robotik-Teams tragen das Muster weiter. Laut Derksen kommen schon heute die meisten Elektro-Geräte der Welt aus Shenzhen. Bei Robotik, Autos und Software dürfte der Anteil weiter wachsen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Made in China heute?
Made in China stand lange für billige Kopien. In Shenzhen gilt das kaum noch. Firmen wie DJI, Xiaomi und Huawei bauen Premium-Produkte und investieren hohe Summen in Forschung. Thomas Derksen sieht darin einen klaren Wandel weg von der Werkbank der Welt. Für deutsche Unternehmen heißt das: Chinesische Anbieter sind heute ernsthafte Technologie-Partner und Konkurrenten. Wir raten, das Label neu zu bewerten und Anbieter vor Ort zu prüfen.
Warum gilt DJI als Vorbild für chinesische Hardware-Firmen?
DJI verkaufte Drohnen von Anfang an als Premium-Produkt, vor allem in die USA. Laut Thomas Derksen hält DJI heute 85 Prozent Marktanteil bei Consumer-Drohnen. Wichtiger ist das Ökosystem. Ingenieure lernen bei DJI und gründen danach eigene Firmen, etwa Bambu Lab mit seinen 3D-Druckern. Investoren gelten DJI-Absolventen als sichere Wette. Dieses Playbook wird in Shenzhen hundertfach umgesetzt.
Wie viel günstiger sind E-Autos in China?
Thomas Derksen schätzt den Preisvorteil auf 40 bis 50 Prozent. Ein neues E-Auto kostet in Deutschland nach seiner Rechnung 70.000 bis 80.000 Euro. In China gibt es Vergleichbares für 30.000 bis 40.000 Euro. Dazu kommen Vorteile im Alltag. Grüne E-Kennzeichen sind kostenlos, Ladesäulen stehen in jedem Parkhaus, und der Strom ist subventioniert. Ein Verbrenner-Kennzeichen kostet dagegen rund 15.000 Euro.
Warum sitzen so viele Robotik-Firmen in Shenzhen?
Shenzhen bündelt Hardware-Know-how, Zulieferer und Kapital auf engem Raum. Viele Robotik-Firmen sitzen in normalen Hochhäusern mitten in der Stadt. Die Teams sind jung, laut Thomas Derksen liegt der Schnitt oft unter 30 Jahren. Dazu kommt das DJI-Ökosystem, aus dem ständig neue Gründer kommen. Ein UN-Ranking zählt die Region zu den stärksten Innovations-Clustern der Welt.




































































































