Batteriegroßspeicher: David Oudsandji über das Kohle-Aus
Batteriegroßspeicher sind stationäre Akku-Anlagen, die Strom aus Wind und Solar puffern und Preisspitzen im Netz glätten. David Oudsandji ist CEO und Mitgründer von Voltfang. Im Interview erklärt er, wie sein Start-up bis 2030 Weisweiler ersetzen will. Und warum Europa dabei so stark von China abhängt.
Für uns bei Everlast AI ist das Gespräch aus zwei Gründen spannend. Erstens steckt in der Speicher-Steuerung längst Machine Learning. Zweitens hängt der Ausbau von KI-Rechenzentren direkt an günstigem, verfügbarem Strom.
Batteriespeicher-Boom: 574 Gigawatt angefragt, 3,6 am Netz
Die Bundesnetzagentur hat Ende August neue Zahlen veröffentlicht. Angefragt sind 574 Gigawatt Netz-Anschluss für Batteriespeicher. Tatsächlich am Netz hängen 3,6 Gigawatt. Oudsandji sieht darin ein typisches Hype-Muster, ähnlich wie bei KI.
Der Speichermarkt gilt als lukrativ, viele Glücksritter springen auf. Über 90 Prozent der Anfragen würde er sofort aussortieren. Oft fehlt ein sauberes Konzept, oft die Finanzierung. Die Netz-Betreiber stellen deshalb vom Windhund-Prinzip auf eine Reifegrad-Prüfung um.
Für Unternehmen ist das eine wichtige Nachricht. Ein Großspeicher braucht ein erfahrenes Team, solides Kapital und Wissen über das Netzverhalten. Eine Zwei-Personen-Firma schafft das kaum.
Warum Batteriegroßspeicher den Strompreis senken
Deutschland produziert viel Wind- und Solarstrom, die günstigste Erzeugungsform überhaupt. Das Netz kann diese Mengen aber noch nicht vollständig aufnehmen. Weht viel Wind bei geringer Nachfrage, fallen die Preise auf null oder ins Minus.
Flaut der Wind ab, springen teure Gas-Kraftwerke ein. Nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt das teuerste Kraftwerk den Preis für alle. So entstehen große Preissprünge. Batteriegroßspeicher füllen genau diese Lücken.
Die Zahlen sind deutlich. Flexibler Strom aus Großspeichern mit Photovoltaik kostet laut Oudsandji 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Gas als Spitzenlast liegt eher bei 40 bis 50 Cent. Gleichzeitig sind die Speicherkosten in den letzten Jahren stark gefallen.
Vom Camper zum virtuellen Kraftwerk
Die Gründungsgeschichte beginnt in einem alten Fiat-Ducato-Camper. Dessen Batterie war so alt wie das Fahrzeug selbst. Mitgründer Roman Alberti baute zuerst eine Solaranlage aufs Dach. Danach wollte das Team gebrauchte Tesla-Module von eBay Kleinanzeigen einbauen.
Für den schwach motorisierten Camper waren die Module zu schwer. Also landeten sie in der Werkstatt von Romans Vater, gekoppelt mit Solar und Steuerung. So entstand der erste Voltfang-Speicher, noch während des Studiums.
Heute verfolgt Voltfang ein großes Ziel. Bis 2030 soll ein virtuelles Kraftwerk aus vielen Speichern die 1,6 Gigawatt von Weisweiler ersetzen. Das Kraftwerk geht 2030 vom Netz. Oudsandji betont offen: Speicher erzeugen keinen Strom, sie verschieben ihn nur.
Abhängig von China: Was Voltfang im April geändert hat
Lange setzte Voltfang auf Second-Life-Module aus alten E-Autos. Das Wachstum überholte jedoch das Angebot. Seit April verlagert das Unternehmen den Fokus weg von der eigenen Batterie-Produktion. Neue Module kommen nun auch aus China.
Die Wert-Schöpfung bleibt trotzdem teils in Europa. Voltfang liefert Architektur, Software und setzt auf europäische Wechsel-Richter. Oudsandji sieht keinen Widerspruch zu seinen früheren Warnungen vor China. Über 90 Prozent der Rohstoff-Wertschöpfung liegen dort, das kann kein einzelnes Unternehmen ändern.
Deutschland braucht laut Studien 100 bis 150 Gigawattstunden Speicher bis 2040 oder 2050. Das Scheitern von Northvolt zeigt, wie schwer eine eigene Lieferkette wird. Hoffnung setzt Oudsandji auf Natrium-Batterien, die weniger kritische Rohstoffe benötigen.
Machine Learning im Energie-Management
KI nennt Oudsandji ein starkes Buzzword. Voltfang nutzt Machine Learning schon länger. Das Energie-Management kombiniert Wetterprognosen, Strommarkt-Prognosen und den erwarteten Verbrauch des Kunden.
Daraus entscheidet das System, was gerade den größten Nutzen bringt. Bei günstigem Netzstrom lädt der Speicher. Droht eine teure Lastspitze, kappt er sie. Genau diese Logik beschreiben wir auch in unserem Beitrag zum Energieproblem der KI.
KI-Rechenzentren: 80 Prozent aus Wind, Solar und Speicher
Die Anschlussleistung deutscher Rechen-Zentren soll sich bis 2030 vervierfachen. Oudsandji hält 80 Prozent Versorgung aus Wind, Solar und Speicher für machbar. Der Strompreis läge dann bei rund 6 bis 10 Cent. Die restlichen 20 Prozent kommen aus dem Netz, volle Redundanz wäre unwirtschaftlich.
Die Hürden heißen Komplexität und Kapital. Für einen Hyperscaler kosten Windpark, Solar und Speicher schnell mehrere Milliarden. Versicherer und große Investoren suchen genau solche langfristigen PPA-Verträge. Im August startete Voltfang zudem ein erstes Colocation-Projekt mit Alterric direkt am Windpark.
Fazit: Batteriegroßspeicher als Hebel für Europa
Batteriegroßspeicher senken Strompreise und machen Wind und Solar planbarer. Voltfang zeigt, wie schnell aus einem Camper-Experiment ein ernsthafter Netzakteur wird. Kritisch sieht Oudsandji die neuen Gas-Kraftwerke. Bis Deutschland Turbinen erhält, bedienen die Hersteller zuerst Amazon, Google und Tesla.
Für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch lohnt jetzt ein genauer Blick auf Speicher plus intelligente Steuerung. Wer KI-Workloads plant, sollte die Energiefrage früh mitdenken.
Häufige Fragen
Was macht das Start-up Voltfang?
Voltfang baut Batteriespeicher für Gewerbe, Logistik und produzierende Betriebe. Dazu kommen Solar, Ladesäulen und ein eigenes Energie-Management-System, das alle Komponenten steuert. Ziel ist ein stabil niedriger Strompreis pro Kilowattstunde beim Kunden. Das System lädt bei günstigen Netzpreisen, nutzt Solarstrom und kappt teure Lastspitzen. Die Firma entstand aus einem Camper-Projekt mit gebrauchten Tesla-Modulen. Heute verbaut Voltfang auch neue Module, vor allem aus China, kombiniert mit eigener Software und europäischen Wechsel-Richtern.
Kann ein Batteriespeicher ein Kohlekraftwerk ersetzen?
Teilweise. Voltfang will bis 2030 die Leistung des Kraftwerks Weisweiler ersetzen, rund 1,6 Gigawatt. Dafür sollen viele Speicher als virtuelles Kraftwerk gebündelt arbeiten. David Oudsandji räumt offen ein, dass Speicher keinen Strom erzeugen. Sie speichern und verschieben Energie aus Wind und Solar. Ohne genug erneuerbare Erzeugung funktioniert das Konzept daher nicht. Das Ziel gilt deshalb europaweit, nicht nur für Deutschland.
Warum gibt es so viele Netzanfragen für Batteriespeicher?
Laut Bundesnetzagentur waren Ende August 574 Gigawatt Netz-Anschluss für Speicher angefragt. Am Netz hängen erst 3,6 Gigawatt. David Oudsandji erklärt die Lücke mit vielen Glücksrittern im lukrativen Speichermarkt. Über 90 Prozent der Anfragen hätten kein tragfähiges Konzept oder keine Finanzierung. Die Netz-Betreiber stellen deshalb vom Windhund-Prinzip auf eine Reifegrad-Prüfung um. Erfahrene Projektierer kommen so schneller zum Zug.
Wie günstig ist Strom aus Batteriespeichern im Vergleich zu Gas?
David Oudsandji beziffert flexiblen Strom aus Großspeichern mit Photovoltaik auf 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Strom aus Gas-Kraftwerken für die Spitzenlast kostet eher 40 bis 50 Cent. Grund ist das Merit-Order-Prinzip: Das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis. Speicher glätten genau diese Preisspitzen. Weil die Speicherkosten in den letzten Jahren stark gefallen sind, wächst dieser Vorteil weiter.




































































































