SAP ersetzen: Emanuel Böminghaus über ERP aus der KI
SAP ersetzen beschreibt den Schritt, das zentrale ERP-System durch eigene, KI-gebaute Software abzulösen. Im Interview mit Leonard Schmedding erklärt Emanuel Böminghaus, CEO von AvenDATA, warum die Uhr für SAP tickt. Er spricht außerdem über Deutschlands Wohlstandsverlust, die Krise von VW und das Ende der Callcenter.
AvenDATA archiviert mit rund 200 Mitarbeitern Altsysteme, vor allem SAP-Systeme. Drei Viertel aller DAX-Konzerne lassen dort archivieren. Böminghaus kennt die Datenstrukturen großer Konzerne deshalb von innen. Für uns ist das Gespräch ein Realitätscheck für jede IT-Strategie.
Deutschlands Wohlstand schrumpft seit 2019
Böminghaus sieht Deutschland im Niedergang. Das offizielle Wachstum von 1,1 bis 1,3 Prozent hält er für staatlich getrieben. Ohne Staatsverbrauch bleiben nach seiner Rechnung etwa 0,5 Prozent. Seit 2019 stagniert die Wirtschaft faktisch.
Die Ursachen benennt er klar: hohe Steuern, teure Energie, vernachlässigte Bildung und hohe Sozialausgaben. Industriejobs wandern in schlechter bezahlte staatsnahe Beschäftigung. Inzwischen sinkt sogar die Gesamtbeschäftigung. Das drückt die Lohnsteuer, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates.
Das Handelsdefizit der EU mit China beziffert er auf 350 Milliarden. Dieses Defizit wächst weiter. Ohne Kurswechsel rechnet Böminghaus in fünf Jahren mit dem Abstieg Richtung Schwellenland.
VW gegen China: Die Kostenlücke ist kaum zu schließen
Ein Werksvergleich zeigt das Ausmaß. In Emden kostet die Arbeitsstunde 74 Euro, im chinesischen Vergleichswerk 12 Euro. Der Krankenstand liegt bei 10,5 gegenüber 1 Prozent. Pro Mitarbeiter entstehen 29 statt 51,3 Autos im Jahr. Strom kostet 15 bis 23 Cent statt 6 bis 10 Cent.
Technologisch liegen deutsche Hersteller laut Böminghaus noch gleichauf. Der Preis entscheidet deshalb. Sein eigener BMW X5 kostete 140.000 Euro Listenpreis. Ein chinesisches Modell mit Liegesitzen, Minibar und autonomem Fahren kostet 80.000 Euro. BMW erzielt dabei nur rund 1 Prozent Rendite.
VW verkaufte im Jahresvergleich 600.000 Autos weniger, davon 300.000 allein im letzten Quartal. Audi verlor in einem Quartal 20 Prozent der Verkäufe. Ohne Staatshilfe gibt Böminghaus dem Volumenhersteller VW noch fünf Jahre in Deutschland. Spannend finden wir, dass BMW jetzt im Einkauf auf KI-Assistenten setzt.
Callcenter und Voice Agents: Das Ende des Massengeschäfts
Die Telekom will bis 2030 rund 2,5 Milliarden Euro durch KI einsparen. Der Erstkontakt im Kundenservice soll komplett über KI-Bots laufen. Daten von Revelio Labs zeigen die Wende: US-Callcenter-Stellen wuchsen 15 Jahre lang um 4 Prozent jährlich. Jetzt fallen sie um 4 Prozent, sogar auf den Philippinen und in Indien.
Böminghaus formuliert hart: Das Brot-und-Butter-Geschäft der Callcenter ist tot. Fünf menschliche Agents kosten 12.000 Euro im Monat. Ein KI-Assistent für dieselbe Arbeit kostet 800 bis 1.000 Euro. Unsere Erfahrungen mit Voice Agents aus echten Projekten bestätigen diese Kostenlogik.
Leonard Schmedding ergänzt eine Beobachtung aus 2024. Große Telekommunikationsfirmen wiesen Voice Agents damals als verfrüht ab. Ab 2027 rufen persönliche KI-Assistenten der Kunden selbst bei Unternehmen an. Wer dann keinen Voice Agent hat, fällt aus dem Raster.
Bürojobs: Die Genauigkeit der KI ändert alles
Auf die Frage nach Bürojobs in zehn Jahren antwortet Böminghaus mit einer Zahl: Rund 10 Prozent bleiben übrig. Früher fehlte der KI die Präzision. Heute lädt er Jahresabschlüsse hoch, und die Ergebnisse stimmen auf den Cent.
Ein KI-Einkäufer entscheidet nach Faktenlage und ohne Sympathie. Bei BMW soll ein Mensch die Empfehlung noch freigeben. Schmedding plädiert für das umgekehrte Prinzip: Agent in the Loop statt Human in the Loop. Ein Agent prüft dabei jede menschliche Entscheidung.
Dass der Arbeitsmarkt noch nicht bebt, erklärt Böminghaus mit Trägheit. Viele Unternehmen haben das Potenzial noch nicht erkannt. Sonst gingen monatlich Hunderttausende Stellen verloren statt 10.000 bis 30.000.
SAP ersetzen: Warum die Uhr für Softwarekonzerne tickt
Ein US-Entwickler hat mit Claude die komplette Adobe Suite nachgebaut und als Open Source veröffentlicht. Für Böminghaus ist das ein Warnsignal. Wenn eine Person Adobe nachbauen kann, gelingt einem Team auch ein ERP-System.
Die Zahlen sprechen für ihn. SAP hat rund 40.000 Tabellen. Ein großer Baukonzern braucht davon nur 250 bis 300. Bekannte von ihm bauten zu dritt ein ERP-System für einen Händler. Die Token kosteten mehrere hunderttausend Euro, die Wartung spart nun Millionen.
Bald wechselt vielleicht ein Konzern wie Lidl, Aldi oder Mercedes auf eine Eigenlösung. Dann beginnt laut Böminghaus der Countdown. Schützend wirken für SAP vor allem globale Regularien und Aufbewahrungspflichten. Hinzu kommt eine Abhängigkeit, weil SAP KI-Modelle per API zukauft. Wie sich dieser Wandel auf ganze Geschäftsmodelle auswirkt, zeigen wir im Beitrag über Service-as-a-Software.
Archivdaten, Salesforce und der erste SAP-Ersatz
Salesforce reagiert offener als SAP, etwa mit einer Plattformstrategie über MCP und CLI. Böminghaus steht trotzdem kurz davor, Salesforce selbst abzulösen. Seine Daten zu 250 bis 300 Großkunden umfassen nur wenige Megabyte. Der Burggraben ist entsprechend klein.
AvenDATA selbst sitzt auf 2.000 bis 3.000 Terabyte ERP-Daten. US-Firmen haben für diesen KI-Schatz bereits viel Geld geboten. Verträge und Verschwiegenheits-Erklärungen verbieten die Nutzung. Den ersten deutschen SAP-Ersatz erwartet Böminghaus im kommenden Jahr, vermutlich im Mittelstand.
Energie, Politik und die Chance für Gründer
Deutschland verfügt laut Schmedding nur über rund 5 Prozent der globalen Rechenleistung. Böminghaus sieht im politischen Diskurs dazu keinerlei Fokus. In Frankfurt lehnen Versorger neue Rechenzentren bereits wegen fehlender Kapazität ab. Für Dutzende geplante Gaskraftwerke fehlen die Baukapazitäten.
Trotzdem sieht er eine Chance. Mit 25 würde er physische Produkte mit KI neu denken, vom Stuhl bis zur Kuckucksuhr. Sein eigenes Unternehmen wächst 2026 um 30 Prozent, vor allem im Ausland. Den Schub führt er auf den konsequenten KI-Einsatz zurück.
Fazit: SAP ersetzen wird zur realen Option
Emanuel Böminghaus zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft. Seine Beobachtungen zu VW, Callcentern und Bürojobs stützt er auf konkrete Zahlen. Die schärfste These betrifft die Softwarebranche. Wer nur 300 von 40.000 Tabellen braucht, kann SAP ersetzen.
Für Unternehmen öffnet sich damit ein Zeitfenster. Wer jetzt agentisches Coding und KI-Assistenten einsetzt, senkt IT-Kosten und gewinnt Tempo. Wir sehen in Kundenprojekten, wie schnell sich solche Teilprojekte rechnen.
Häufige Fragen
Kann ein Unternehmen SAP durch selbst gebaute KI-Software ersetzen?
Laut Emanuel Böminghaus ist das technisch bereits machbar. SAP umfasst rund 40.000 Tabellen, ein großer Baukonzern braucht davon nur etwa 250 bis 300. Auf dieser Basis lässt sich ein eigenes ERP-System nachbauen. Ein Team aus drei Entwicklern hat das für einen Händler mit Onlineshop umgesetzt. Die Token-Kosten lagen bei mehreren hunderttausend Euro, die Ersparnis bei der Wartung liegt im Millionenbereich. Wir raten Unternehmen, zuerst einen begrenzten Proof of Concept für Teilbereiche aufzusetzen.
Wann ersetzt die erste deutsche Firma SAP komplett durch KI-Software?
Emanuel Böminghaus erwartet den ersten Fall im kommenden Jahr. Nach seiner Einschätzung kommt der Vorreiter aus dem Mittelstand. Dort arbeiten oft kleine, begabte Entwickler-Teams, die schnell entscheiden können. Den Ausschlag geben die hohen Kosten für Einführung und Wartung. Wer diese Posten kennt, sieht das Einsparpotenzial sofort. Wir halten die Prognose für plausibel, weil agentisches Coding die Entwicklungskosten pro Funktion massiv senkt.
Warum hält Emanuel Böminghaus Callcenter für ein Auslaufmodell?
Der AvenDATA-Chef rechnet vor: Fünf menschliche Call-Agents kosten rund 12.000 Euro im Monat. Ein KI-Assistent für dieselbe Arbeit kostet 800 bis 1.000 Euro. Die verbleibenden Schwächen der Voice Agents verschwinden laut Böminghaus in 12 bis 18 Monaten. Zahlen von Revelio Labs stützen das: Callcenter-Stellen in den USA wuchsen 15 Jahre lang um 4 Prozent pro Jahr. Jetzt schrumpfen sie erstmals um 4 Prozent. Die Telekom will bis 2030 rund 2,5 Milliarden Euro durch KI einsparen.
Wie viele Bürojobs bleiben in Deutschland laut Böminghaus übrig?
Seine Prognose fällt drastisch aus: In zehn Jahren existieren nur noch rund 10 Prozent der heutigen Bürojobs. Als Grund nennt er die gestiegene Genauigkeit der Modelle. Jahresabschlüsse stimmen heute auf den Cent. Als Beispiel dient der BMW-Einkauf, den der Konzern mit KI-Assistenten neu aufstellt. Für Unternehmen heißt das: Prozesse am Bildschirm sollten jetzt auf Automatisierung geprüft werden.




































































































