Prof. Dr. Alois Knoll leitet seit 2011 den Lehrstuhl für Robotik und KI an der TU München. Mit über 1.000 Veröffentlichungen und 40.000 Zitationen gehört er zur Weltspitze. Kürzlich hat er das KI-Startup OneAlpha gegründet.
Im Interview mit Everlast AI erklärt er seine Kernthese. Intelligenz braucht einen Körper. Humanoide Roboter sind der nächste Schritt nach ChatGPT. Was das für Deutschland, den Mittelstand und die nächste Phase der KI bedeutet, fassen wir hier zusammen.
Physical AI: Warum humanoide Roboter einen Körper brauchen
Für Knoll ist klar: Intelligenz entsteht nur in einem Körper. Ein Gehirn, das allein im Raum steht, gibt es in der Natur nicht. Einfache Lebewesen entwickelten zuerst einen Körper, dann höhere Intelligenz. Die Evolution ist für ihn der beste Beleg.
Große Sprachmodelle wie GPT-5 oder Claude verarbeiten Wissen aus dem Cyberspace. Aus diesem Käfig kommen sie aber nicht heraus. Wer lernen will, wie sich ein Stock zwischen den Beinen anfühlt, braucht einen echten Körper.
Diese Einsicht ist nicht neu. Marvin Minsky sagte bereits in den 70er Jahren: KI kann Autos nur mit Körper reparieren. Physical AI und humanoide Roboter sind für Knoll daher kein Hype, sondern der nächste logische Schritt. Wie weit humanoide Roboter heute gehen, zeigt unser Deep-Dive zu humanoiden Robotern in ganzer Tiefe.
Vier Säulen treiben die KI exponentiell
Knoll nennt vier Basistechnologien, die Künstliche Intelligenz heute tragen.
- Prozessor-Technik: Moderne Chips rechnen tausendfach schneller als Systeme aus dem Jahr 2000.
- Speicher: Statt 10 Megabyte Festplatte heute Petabyte in jedem großen Server.
- Kommunikations-Technik: Von analoger Telefonie zu 5G und bald 6G.
- Informatik: Software-Systeme mit einer Komplexität, die vor 30 Jahren undenkbar war.
Alle vier entwickeln sich exponentiell. Was heute unmöglich scheint, kommt in 6 Monaten, nicht in 10 Jahren. Knoll warnt: Wir denken linear und verlieren dadurch Zeit.
Für den Kollegen Brauer stand KI für kommende Informatik. Alles, was vor 50 Jahren Science-Fiction war, steckt heute in unseren Handy-Kameras. Die Entwicklung wird sich nicht verlangsamen, sondern beschleunigen.
Stand 2026: China führt, Deutschland hält mit
Unitree, Figure AI, Tesla Optimus und Neura Robotics: 2026 läuft der Humanoiden-Wettlauf auf Hochtouren. China liegt aktuell vorn. Die Systeme laufen stabil, boxen, überschlagen sich und arbeiten zunehmend bimanual.
Im Autowerk sieht Knoll die erste große Chance für den Industrie-Einsatz. Der Karosseriebau ist zu 100 Prozent automatisiert, die Montage nur teilweise. Hier liegt das Potenzial: Humanoide Roboter steigen in die Karosserie und übernehmen filigrane Aufgaben.
Offen bleibt für Knoll, ob wir den vollen Humanoiden brauchen. Oft reicht ein Torso auf Rollen. Stufen sind in Standard-Fabriken selten nötig, Transport-Aufgaben brauchen keine hohe Fingerfertigkeit.
Die großen Flaschenhälse: Fingerfertigkeit und Energie
Chips und Software ziehen exponentiell an, die Mechatronik bleibt langsamer. Die Fingerfertigkeit ist der härteste Flaschenhals, so Knoll. In China nehmen Data Collection Farms täglich Greif-Daten auf. Menschen präsentieren Objekte, Roboter-Hände spüren mit taktilen Sensoren.
Der zweite Engpass ist Energie. Ob Rechen-Zentren so weiter skalieren, bezweifelt Knoll. Schlaue Architekturen haben historisch den Stromhunger immer wieder gedrückt.
Statt eines Universal-Humanoiden im Haushalt erwartet Knoll spezialisierte Cognitive Devices. Ein Saugroboter im Wohnzimmer. Ein Backofen mit Arm. Eine Waschmaschine, die Wäsche selbst sortiert. Das ist wirtschaftlicher als ein Alleskönner auf zwei Beinen.
Providencia und CECAS: Die TU München macht Mobilität messbar
An der TU München hat Knoll einen digitalen Zwilling der Autobahn A9 gebaut. Das Projekt heißt Providencia. Sensorik erfasst alle Fahrzeuge und Fußgänger in Echtzeit. Die Daten warnen vor Staus, bremsen Autos ab und melden Unfälle automatisch.
Parallel dazu läuft CECAS (Central Car Server). Die Plattform ist für Fahrzeug-Generationen ab 2033 ausgelegt. Die Idee: Das Auto ist ein Computer auf Rädern. Mechanik und Antriebs-Technik werden sekundär.
Knolls Mantra: Komplexe Fahrzeug-Software braucht bald keine Menschen mehr. Ausnahme bleibt die Vorgabe des gewünschten Verhaltens. KI generiert den Rest als ausführbaren Code. Warum Deutschland den KI-Anschluss zu verpassen droht, haben wir im Artikel zu Deutschlands KI-Krise ausführlich beleuchtet.
OneAlpha und KI-Mitarbeiter im Mittelstand
Mit seinem Startup OneAlpha greift Knoll das größte Ärgernis deutscher Betriebe an: Bürokratie. Statt Vorschriften abzubauen, macht OneAlpha sie per semantischer KI händelbar. Der Rechner übernimmt die Last, der Mensch behält die Kontrolle.
Zweite Mission: Der Mittelstand soll KI aktiv nutzen. Knoll bietet KI-Mitarbeiter als Assistenz-Systeme an. Stufe 1: Der Assistent weist auf Vorschriften hin. Stufe 2: Die Maschine erledigt Teilaufgaben selbst. Stufe 3: Die KI übernimmt ganze Tätigkeiten komplett.
Die Analogie zum autonomen Fahren hilft der Belegschaft. KI ist kein Feind, sondern Assistenz. Erst wenn Vertrauen da ist, kippt die Rolle. Wer den Umstieg jetzt einleitet, spart sich Jahre teuren Aufholens.
Deutschlands goldener Moment
Knoll sieht Deutschland in einer historisch einmaligen Lage. Wir haben die Daten. Wir haben die Industrie. Wir haben die Mechatronik als Weltspitze.
Trotzdem verliert Deutschland laut Knoll oft den Mut. Siemens baute in den 60ern die ersten Transistor-Rechner. Der moderne Computer wurde in Deutschland erfunden. Daraus wurde am Ende wenig gemacht.
Das darf sich bei humanoiden Robotern nicht wiederholen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Knoll verweist auf die Robotik der 70er Jahre in der Autoindustrie. Damals fürchteten alle Arbeitsplatz-Verluste. Eingetreten ist das Gegenteil. Länder mit hoher Roboter-Dichte haben heute mehr Jobs, nicht weniger.
Für junge Menschen hat Knoll einen klaren Rat. Macht das, was euch Spaß macht, und denkt ernsthaft ans Gründen. Der Moment sei so golden wie damals bei Bill Gates oder Steve Jobs.
Fazit: Physical AI ist die Fortsetzung von ChatGPT
Humanoide Roboter und Physical AI sind keine ferne Zukunft. Sie sind die logische nächste Stufe der KI. Prof. Alois Knoll ordnet Technik, Industrie und Soziales klar ein.
Seine zentrale Botschaft bleibt: Intelligenz braucht einen Körper. Deutschland hat alle Karten für die nächste Welle in der Hand. Es fehlen keine Köpfe, sondern Kapital und Mut. Wer jetzt nicht handelt, verliert das Feld an China und die USA.
Die gute Nachricht: Die Zeit reicht noch. Aber nur, wenn Forschung, Kapital und Ingenieurs-Geist zusammenfinden. Humanoide Roboter werden über Wohlstand, Exporte und die Zukunft des deutschen Mittelstands entscheiden.


































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