Gemini 3.5 Flash ist Googles neues Reasoning-Modell aus der Google I/O 2026. Es soll den Vorgänger 2.5 Flash ablösen. Im Video ordnet Leonard Schmedding ein, warum das Modell am Markt vorbei geht. Wir zeigen die fünf Updates aus Mountain View, die für Unternehmen wirklich zählen.
Gemini 3.5 Flash: Der Effizienz-Pitch geht nicht auf
Sundar Pichai stellt Gemini 3.5 Flash als günstigstes Spitzenmodell vor. Großkonzerne sollen laut Keynote über eine Milliarde Dollar pro Jahr sparen können. Die Zahlen aus der Praxis erzählen eine andere Geschichte.
Flash ist ein Reasoning-Modell und produziert vor jeder Antwort viele Output-Tokens. Genau diese Tokens hat Google auf 9 Dollar pro Million verdreifacht. Ein voller Durchlauf des Artificial Analysis Index kostet jetzt 52 Dollar. Das ist fünfeinhalb mal so viel wie beim alten Flash. Und 75 Prozent mehr als bei Gemini 3.1 Pro.
Auf der Cursor-Bench landet Flash mit 49,8 Prozent auf Platz 10 von 14. Opus 4.7 und GPT-5.5 lösen mit über 64 Prozent deutlich mehr Aufgaben. Wir empfehlen unseren Beratungskunden im Agentic Coding weiterhin Opus 4.7 oder GPT-5.5. Der Wechsel auf Flash spart weder Geld noch Zeit.
Gemini Omni: Googles Nano Banana für Video
Spannender ist Gemini Omni. Das Modell ersetzt Veo in der Gemini-App und in Google Flow. Es bringt eine native Editing-Funktion mit. Per Chat-Prompt lässt sich ein KI-Video Schritt für Schritt verändern. Die Szene bleibt dabei stabil.
In ersten Tests fügt Omni einen Papagei sauber in eine Talking-Head-Szene ein. Es wechselt Pullover-Farben. Es tauscht eine Tasse gegen eine hochgeladene Referenz. Tageszeit-Wechsel funktionieren auf Anhieb. Bis zu zehn Sekunden Output sind möglich.
Eigenes Footage akzeptiert Omni aktuell noch nicht. Das Editing greift nur auf in Flow generiertes Material. Sobald Google diese Schranke öffnet, wird Omni zur Konkurrenz für Klings Motion Control und Lumas Ray.
Android-Apps per Prompt und das Antigravity-Debakel
Im Google AI Studio entsteht jede einfache Android-App über einen einzigen Prompt. Eine Projektmanagement-App mit Sprachnotiz, Transkription und Kanban-Boards baut Gemini in wenigen Minuten. Drei Ansichten plus Install-Button für reale Geräte sind dabei.
Die neue Google-Workspace-Integration verbindet Sheets, Docs, Drive, Kalender und Mail nativ. Damit landet Spark-ähnliche Tiefe direkt im Builder.
Weniger erfreulich ist Antigravity 2.0. Die Closed-Source-Variante hat das Open-Source-Gemini-CLI komplett abgelöst. Sie ist so verbugt, dass selbst in der offiziellen Keynote noch Codex-Ordner zu sehen waren. Wer die alte Version zurück will, deinstalliert 2.0 und lädt über die Download-Seite die Vorgängerversion 1.232. Mehr zur produktiven Arbeit mit rechtssicheren Modellen zeigen wir im kostenfreien CorporateLLM-Workshop nächste Woche.
Google-Suche: größtes Update seit 25 Jahren
Google baut die Suchleiste komplett um. Das leere Feld wird zur dynamischen Eingabe. Es wächst mit der Frage mit. Es nimmt Bilder, Dateien und Videos entgegen. Gemini spielt darauf Empfehlungen aus. AI Overviews und AI Mode verschmelzen zu einer einzigen KI-Suche.
Das ist nicht das Ende von SEO. Google stellt im Blog klar, dass es keine Abkürzungen wie eine llms.txt gibt. Die alten Grundlagen gelten weiter. Was sich ändert, ist die Zielgruppe. Sichtbarkeit heißt jetzt, in der generierten Antwort zitiert zu werden. Und die Antworten lesen künftig auch Agenten.
Dazu passt das Universal-Cart-Konzept. Ein globaler Warenkorb sitzt in Chrome, Gemini, YouTube und Gmail. Sobald Agenten autonom einkaufen, wird dieser Warenkorb zur zentralen Konversions-Stelle für jeden Online-Händler.
KI-Omnibus: AI Act wird pragmatischer
Aus Brüssel kommt das politisch wichtigste Update der Woche. Der KI-Omnibus ist vom digitalen Omnibus abgespalten. Er verschiebt zentrale Fristen und entschärft die Kompetenzpflicht aus Artikel 4. Unser IT-Fachanwalt Dr. Lutz Keppeler ordnet das im Video ein.
Kompetenzpflichten haben kein Bußgeld mehr im Rücken. Sie werden zur Bemühenspflicht. Behörden bekommen den Auftrag, über FAQ und Schulungsangebote Awareness zu schaffen. Im Klartext: Niemand muss die teuerste KI-Verordnungs-Schulung buchen. Wir empfehlen, Trainings am konkreten Use Case auszurichten.
Für Hochrisiko-KI-Systeme bleibt die Prüfpflicht bestehen. Wer in diesem Bereich plant, sollte trotz verschobener Fristen früh starten. Die Anforderungen erzeugen real Aufwand. Das vollständige Interview mit Dr. Keppeler erscheint nächste Woche auf dem Zweitkanal KI-Bubble.
Composer 2.5: SpaceX und xAI sortieren den Coding-Markt
Cursor trainiert mit xAI an einem eigenen Modell. xAI und SpaceX haben sich Kaufrechte an Cursor gesichert. Cursor besitzt Telemetrie aus Agentic-Coding-Workflows über alle Modellanbieter. Aus diesen Daten lassen sich eigene Modelle ableiten.
Composer 2.5 ist diese Woche bereits live. Es gehört zu den ersten Resultaten dieser Kooperation. Parallel öffnet OpenAI garantierte Rechenkapazität für Vertragspartner. Was Larry Fink als Futures auf Compute beschrieben hat, wird zum Standard im Procurement.
Codex bekommt ebenfalls Updates. Das SDK ist live. Der In-Browser-Modus reift. Codex-Cloud-Sessions laufen weiter, auch wenn der lokale Mac geschlossen ist. Damit fällt eine der letzten Schranken für 24-Stunden-Agenten-Workflows.
Fazit: Gemini 3.5 Flash zählt nicht zu den Pflicht-Updates
Die Google I/O 2026 bringt viele kleine Schritte für den Massenmarkt. Einen Veo-3-Moment gibt es nicht. Für die Beratungspraxis zählen fünf Punkte. Erstens: AI Suche wird Standard. Zweitens: Google-Workspace wird tiefer verzahnt. Drittens: Multimodalität mit Omni wird zur Norm. Viertens: Agentic Coding wird zur Basisanforderung. Fünftens: Der KI-Omnibus entlastet bei der Kompetenzpflicht. Gemini 3.5 Flash selbst gehört nicht in die Top-Liste der Updates.
Häufige Fragen
Lohnt sich der Wechsel auf Gemini 3.5 Flash für produktive Workloads?
Für Reasoning-Workloads lohnt sich der Wechsel nicht. Flash kostet pro vollem Benchmark-Durchlauf 52 Dollar. Das sind 75 Prozent mehr als bei Gemini 3.1 Pro. Auf der Cursor-Bench liegt Flash auf Platz 10 von 14. Für Voice-Agents fehlt die Effizienz. Für Agentic Coding bleiben Opus 4.7 und GPT-5.5 die bessere Wahl. Sinnvoll bleibt Flash nur für sehr leichte Aufgaben, in denen ein Reasoning-Schritt überschießt.
Was kann Gemini Omni, das Veo nicht konnte?
Omni ersetzt Veo in Gemini und Google Flow. Es bringt Chat-basiertes Editing für KI-Videos mit. Statt jedes Mal neue Prompts zu schreiben, lässt sich die Szene Schritt für Schritt verändern. Möglich sind: Objekte einsetzen, Kleidung tauschen, Tageszeiten wechseln, Referenzbilder einbinden. Output reicht bis zu zehn Sekunden. Eigenes Footage bleibt aktuell gesperrt. Sobald Google diese Grenze öffnet, wird Omni zum echten Editing-Werkzeug.
Was bedeutet der KI-Omnibus für die Kompetenzpflicht aus Artikel 4?
Die Kompetenzpflicht bleibt formal bestehen, verliert aber ihren Bußgeld-Charakter. Sie ist jetzt eine Bemühenspflicht. Geschäftsführungen entscheiden selbst über die Schulungstiefe ihrer Teams. Behörden bekommen den Auftrag, Awareness über FAQ und Schulungsangebote zu fördern. Pauschale KI-Verordnungs-Schulungen aus dem Beraterregal sind nicht mehr Pflicht. Sinnvoller sind Schulungen, die direkt am realen Use Case ansetzen.
Wie reagiere ich als Unternehmen auf das neue Google-Suche-Update?
Klassische SEO-Grundlagen bleiben in Kraft. Was sich ändert, sind Zielgruppe und Antwortformat. Sichtbarkeit heißt jetzt, in der KI-generierten Antwort zitiert zu werden, nicht in einer Linkliste. Inhalte sollten klare Definitionen, konkrete Zahlen und zitierfähige Aussagen enthalten. B2B-Anbieter sollten zusätzlich prüfen, ob ihre Inhalte für Agenten lesbar sind. Universal-Cart-Workflows werden künftig autonom einkaufen.






















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