Von der Praktikums-Absage zum Millionen-Exit: Leon Szeli hat bewiesen, dass Durchhalten in der KI-Branche alles ist. Der Forbes 30 Under 30-Gründer und heutige Product Manager bei Meta teilt exklusive Einblicke in die Zukunft von Shopping, Smartglasses und Deutschlands Rolle im globalen KI-Wettbewerb.
In diesem Artikel erfährst du, wie Leon mit Presize AI eines der erfolgreichsten deutschen KI-Startups aufbaute. Du lernst, warum Meta das Unternehmen übernahm. Außerdem erhältst du einen Blick hinter die Kulissen eines der größten Tech-Konzerne der Welt.
Vom abgelehnten Praktikanten zum Meta-Mitarbeiter
Die Geschichte klingt wie aus einem Hollywood-Film. Meta lehnte Leon Szelis Bewerbung für ein Praktikum ab. Jahre später kaufte derselbe Konzern sein Startup für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag.
Der Wendepunkt kam überraschend. Eine E-Mail landete in Leons Spam-Ordner. Der Absender: Facebook. Was zunächst wie normaler Vertrieb aussah, entpuppte sich als der Beginn einer Akquisition.
Leon erinnert sich: Die ersten Gespräche wirkten wie ein gewöhnlicher Sales-Prozess. Doch schnell saßen hochrangige technische Experten mit am Tisch. Die Übernahme war strategisch motiviert. Meta wollte nicht nur die Technologie. Das Unternehmen suchte auch ein starkes Team mit Standort in München.
Presize AI: Das Problem der Online-Retouren lösen
Das Münchner Startup löste eines der größten Probleme im E-Commerce. In Deutschland liegt die Retourenquote bei Mode bei rund 50 Prozent. Die Hälfte davon geht auf falsche Größen zurück.
Die Lösung von Presize war elegant. Nutzer drehen sich einmal vor der Smartphone-Kamera. Die KI berechnet daraus präzise Körpermaße. Diese werden dann mit den Größentabellen der Shops abgeglichen. Das Ergebnis: Die richtige Größe beim ersten Kauf.
Über eine Million Nutzer haben das Tool bereits genutzt. Mehr als 150 Marken wie Hugo Boss und Vero Moda setzten auf die Technologie. Die Computervision-Modelle entwickelte das Team selbst. Genau das machte Presize für Meta so interessant.
Die Höhle der Löwen: 100 Absagen und dann der Durchbruch
Bevor der Erfolg kam, gab es Rückschläge. Über 100 Investoren lehnten ab. Die großen Namen der Venture-Capital-Szene sagten alle nein. Mode galt nicht als Lieblingsbranche der Geldgeber.
Dann kam Carsten Maschmeyer. Im Jahr 2020 pitchte Leon in der Höhle der Löwen. Nach harten Verhandlungen einigten sich beide Seiten. 650.000 Euro für 15 Prozent der Anteile. Es war einer der größten Einzel-Deals in der Geschichte der Sendung.
Kurz danach stockten weitere Investoren auf. Insgesamt flossen fast zwei Millionen Euro in das Startup. Die Bekanntheit durch die TV-Show beschleunigte das Wachstum. Neue Kunden und Top-Talente kamen hinzu. Der Rest ist Geschichte.
KI-Entwicklung: Vom Studentenprojekt zum Exit
Die technische Reise begann am CDTM in München. Diese Elite-Einrichtung gilt als Geburtsstätte deutscher Tech-Unicorns. Dort entstand der erste Prototyp. Zunächst nutzten die Gründer Open-Source-Modelle. Schritt für Schritt ersetzten sie diese durch eigene Entwicklungen.
Das größte Problem: Das Henne-Ei-Dilemma. Für gute KI-Modelle brauchten sie Daten. Für Daten brauchten sie Nutzer. Die Lösung war kreativ. Das Team veranstaltete sogenannte Measurement Parties. Freibier gegen Körpervermessung. Ein 3D-Scanner kam hinzu. Datenbanken aus aller Welt wurden durchforstet.
Ein strategischer Investor brachte zusätzliche Daten. So wurde das Modell immer besser. Leon betont: Es musste nicht perfekt sein. Es musste nur besser sein als die Alternative. Und die Alternative war oft schlecht. Viele Startups scheitern, weil sie auf 100 Prozent Genauigkeit warten.
Die Zukunft des Online-Shoppings: Agentic Commerce
Das Gespräch mit Leon offenbart spannende Trends. Die Art, wie wir online einkaufen, wird sich fundamental ändern. KI-Agenten werden das Shopping übernehmen.
Der erste Schritt: Du sagst deinem Agenten, was du willst. Er sucht für dich. Du bestätigst den Kauf. Der nächste Schritt ist radikaler. Der Agent weiß, was du brauchst, bevor du es selbst weißt. Er kauft eigenständig für dich.
Meta ist hier gut aufgestellt. Der Konzern verdient bereits Geld mit Werbung. Nutzer kaufen über die Plattform. Das klassische Affiliate-Modell hat jedoch einen Haken. Wenn ein KI-Agent Provision bekommt, empfiehlt er nur noch das, was am meisten bringt. Das Vertrauen leidet.
Deshalb sieht Leon die Zukunft in hyperpersonalisierter Werbung. Die passt so perfekt, dass sie sich nicht mehr wie Werbung anfühlt. Dynamische Creatives werden normal. Das Model in der Anzeige könnte bald so aussehen wie du selbst. Die Technologie dafür existiert bereits. Die Skalierung ist die Herausforderung.
Unternehmen, die diese Entwicklungen verstehen und nutzen wollen, können sich zum AI Automations Manager weiterbilden lassen.
Meta Ray-Ban: Das KI-Gerät der Zukunft
Leon ist überzeugt: Smartglasses sind der nächste große Wurf. Seit dem Smartphone hat kein Formfaktor so viel Sinn ergeben. Die Argumente sind überzeugend.
Rund 20 Prozent der Weltbevölkerung tragen bereits eine Brille. Noch mehr tragen Sonnenbrillen. Der Formfaktor ist also schon etabliert. Die zweite Generation der Meta Ray-Ban sieht aus wie eine normale Brille. Niemand erkennt auf den ersten Blick die Tech-Features.
Die Funktionen sind beeindruckend. Fotos und Videos aufnehmen. Musik hören. Mit Meta AI sprechen und sehen lassen, was du siehst. Die neue Display-Version zeigt sogar Informationen direkt im Brillenglas. Navigation, Übersetzungen, Nachrichten. Alles freihändig.
Leon zieht den Vergleich zum Smartphone. Das Handy war anfangs auch nicht natürlich. Heute trägt es jeder in der Hosentasche. So wird es mit Smartglasses auch laufen. Manche Orte werden sie verbieten. Aber die breite Akzeptanz wird kommen.
Der CDTM Venture Fund: Deutschlands Startup-Schmiede
Leon gehört zum Investment Committee des CDTM Venture Fund. Dieser Alumni-Fonds investiert in die nächste Gründer-Generation. Die Zahlen sind beeindruckend.
Das CDTM hat bisher über 280 Startups hervorgebracht. Davon erreichten neun den Unicorn-Status. Die Bewertung übersteigt also jeweils eine Milliarde Euro. Bekannte Namen: Personio, Trade Republic, Forto, Tier, EGYM.
Der Fund sammelte 8,2 Millionen Euro von 316 Alumni. Darunter sind Dutzende Unicorn-Gründer. Sie investieren nicht nur Geld. Sie bringen Mentoring, Netzwerk und Erfahrung mit. Nur 25 Studenten werden pro Semester zugelassen. Die Auswahl ist streng. Genau das macht die Pipeline so wertvoll.
Deutschland im KI-Wettrennen: Chancen und Risiken
Die Frage liegt auf der Hand. Hat Deutschland überhaupt eine Chance? Leons Antwort ist differenziert. Es gibt klare Nachteile. Aber auch überraschende Vorteile.
Die Nachteile: Kapital fehlt in den späteren Finanzierungsrunden. Deutsche VCs machen die ersten Runden. Dann kommen Softbank oder US-Investoren. Sie verdienen am Exit mit.
Cloud und KI-Modelle kommen nicht aus Europa. Selbst wenn wir starke Modelle haben, brauchen wir Nvidia-Chips und AWS-Server. Bürokratie und Regulierung bremsen. Die EU Ink soll helfen. Einheitliche Unternehmensformen für ganz Europa. Das würde vieles vereinfachen.
Die Vorteile: Das Talent ist da. Deutsche Unis bilden theoretisch fundiert aus. Das ist für KI extrem wichtig. Amerikanische Ausbildung ist praxisnäher, aber oberflächlicher. Deutschland hat nicht nur eine Top-Uni. Es hat über zehn im technischen Bereich.
Der zweite Vorteil sind industrielle Daten. Der deutsche Mittelstand produziert Maschinenbau-Daten in riesigen Mengen. Diese sind extrem wertvoll. Ein Startup, das Gaslecks in Pipelines detektiert, braucht genau solche Daten. Die gibt es hier. Nicht im Silicon Valley.
Leon ist unter dem Strich optimistisch. Die Nische könnte Deutschlands Stärke sein. Nicht die ganz großen Modelle. Aber vertikale Champions für spezifische Anwendungen.
Fazit: Was wir von Leon Szeli lernen können
Das Gespräch mit Leon Szeli zeigt mehrere wichtige Lektionen. Erstens: Durchhalten zahlt sich aus. 100 Absagen bedeuten nicht das Ende. Die 101. Anfrage kann alles ändern.
Zweitens: Timing ist entscheidend. Google Glasses scheiterte. Meta Ray-Ban wird erfolgreich. Die Technologie war ähnlich. Der Markt war anders.
Drittens: Generalisten haben Vorteile. KI macht Expertenwissen zugänglich. Wer verschiedene Bereiche verbinden kann, profitiert. Das Zeitalter der Spezialisten weicht dem Zeitalter der Generalisten.
Viertens: Deutschland hat Chancen. Nicht als KI-Weltmeister. Aber als starker Spieler in Nischen. Talent, Daten und Bildung sind da. Es fehlt an Kapital und Mut. Beide Lücken lassen sich schließen.
Wer mehr über die praktische Anwendung von KI in Unternehmen erfahren möchte, findet auf dem Everlast AI YouTube-Kanal wöchentlich neue Interviews und Tutorials. Das vollständige Gespräch mit Leon Szeli bietet noch tiefere Einblicke in die Welt von Meta und die Zukunft der künstlichen Intelligenz.



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