Ein Deutscher baut im Silicon Valley das Open-Source-Tool, das KI-Agenten das Surfen beibringt – und sammelt 17 Millionen Dollar von Paul Graham ein. Magnus Müller hat mit Browser Use eines der am schnellsten wachsenden KI-Projekte der Welt geschaffen. Im Interview mit Leonard Schmedding spricht er über die Technik hinter Browser Use, den Alltag bei Y Combinator und warum der Browser der wichtigste Hebel für KI-Agenten ist.
Wer ist Magnus Müller?
Magnus Müller ist Co-Founder und CEO von Browser Use. Aufgewachsen in Deutschland, studierte er Informatik an der ETH Zürich. Gemeinsam mit Gregor Žunič gründete er Browser Use Ende 2024 am Student Project House der ETH.
Die beiden bauten einen ersten Prototyp in nur fünf Tagen. Sie veröffentlichten ihn auf Hacker News – und ernteten sofort begeisterte Reaktionen. Was als Nebenprojekt begann, wuchs rasant. Heute hat Browser Use über 78.000 GitHub Stars, fast 2 Millionen Downloads pro Monat und gehört zum Y Combinator Winter 2025 Batch.
Im März 2025 sammelte das Startup 17 Millionen Dollar ein. Zu den Investoren zählen Paul Graham persönlich, Felicis Ventures, SV Angel und Y Combinator selbst. Magnus lebt und arbeitet jetzt in San Francisco – mitten im Zentrum der globalen KI-Entwicklung.
Was ist Browser Use?
Browser Use gibt KI-Agenten die Fähigkeit, Webseiten so zu bedienen wie ein Mensch. Das Tool macht einen Screenshot der Webseite, analysiert gleichzeitig den HTML-Code und entscheidet dann, wo als Nächstes geklickt wird.
Magnus erklärt das Prinzip einfach: „Du hast ein intelligentes System, das Probleme lösen kann. Und was wir dem jetzt geben, sind Hände und Augen. Wir gehen zum Browser, machen einen Screenshot und nehmen das aktuelle HTML. Das senden wir an das KI-Modell und fragen: Worauf sollen wir als Nächstes drücken?"
Der entscheidende Unterschied zu anderen Ansätzen: Browser Use kombiniert zwei Methoden gleichzeitig. Screenshots allein sind langsam und fehleranfällig. Reines HTML-Parsing übersieht visuelle Elemente. Durch die Kombination beider Wege erreicht Browser Use eine deutlich höhere Zuverlässigkeit als vergleichbare Tools.
Warum ist Browser Use so erfolgreich?
Drei Faktoren haben den Durchbruch gebracht.
Erstens: Reliability. Viele Browser-Agent-Frameworks scheitern, weil sich Webseiten ständig verändern. LinkedIn etwa ändert regelmäßig seine Struktur. Browser Use löst das, indem es Webseiten in strukturierten Text umwandelt, den KI-Modelle deterministisch verarbeiten können. Das macht die Ergebnisse wiederholbar und günstig.
Zweitens: Geschwindigkeit. Browser Use kann den gesamten Text einer Webseite direkt an die KI übergeben. „Dann ist es viel schneller, die Information zu finden", sagt Magnus. Das reduziert Token-Verbrauch und spart Kosten.
Drittens: Wiederhol-Aufgaben. Ein besonders beliebtes Feature: Du kannst eine Aufgabe einmal aufnehmen, die KI versteht den Ablauf und führt ihn dann tausendmal identisch aus. „Das ist sehr schnell, sehr billig und sehr verlässlich", betont Magnus.
Welche Unternehmen nutzen Browser Use?
Die Liste der Nutzer liest sich beeindruckend. Manus, der virale KI-Agent aus China, hat seine gesamte Technik um Browser Use herum gebaut. Salesforce setzt das Tool öffentlich ein. Über 20 Unternehmen im aktuellen Y Combinator Batch verwenden Browser Use für ihre eigenen Produkte.
Insgesamt zählt das Projekt über 15.000 aktive Entwickler, die Code beitragen und das Tool weiterentwickeln. Die Open-Source-Strategie hat sich als entscheidender Wachstumshebel erwiesen.
Magnus beobachtet dabei einen interessanten Trend: „Es kommen Unternehmen zu uns und sagen: Was können wir tun, damit es für Agenten einfacher wird, unsere Webseite zu navigieren?" Firmen gestalten ihre Webseiten also zunehmend für KI-Agenten – nicht nur für Menschen.
Was sagt Magnus über die KI-Szene im Silicon Valley?
Auf die Frage nach der Stimmung in San Francisco antwortet Magnus begeistert: „Es ist so viel Energie. Ganz viele junge Leute, die einfach süchtig danach sind zu programmieren. Es fühlt sich magisch an – wie in der Silicon Valley Show."
Der Unterschied zu Europa zeigt sich im Mindset. „Wenn ich hier jemandem sage, ich will heute Abend mein Startup bauen, dann sagen die: Awesome, lass uns Coworking machen. In meiner Heimatstadt würden die fragen: Hey, was machst du da?"
Dieses Tempo und diese Offenheit prägen auch die Arbeit bei Y Combinator. Magnus fasst es so zusammen: „Die Leute hier sind nicht unbedingt smarter. Aber du wirst mehr gepusht, großartige Dinge zu bauen."
Browser Use und Claude Sonnet 4.6
Browser Use hat eigene Benchmarks entwickelt, um KI-Modelle auf ihre Browser-Fähigkeiten zu testen. Die Ergebnisse für Claude Sonnet 4.6 zeigen: Es ist 55 Prozent schneller als Sonnet 4.5 und 52 Prozent akkurater. Allerdings liegt es noch 4 Prozent hinter Opus 4.6.
Diese Zahlen verdeutlichen, warum Computer Use gerade einer der wichtigsten Bereiche in der KI-Entwicklung ist. Wer KI-Agenten für den Browser bauen will, braucht Modelle, die Webseiten zuverlässig verstehen und bedienen. Browser Use liefert dafür die technische Grundlage – und testet gleichzeitig, welche Modelle das am besten können.
Für Unternehmen, die KI-Agenten in ihrem Geschäftsalltag einsetzen wollen, ist Browser Use bereits jetzt ein zentrales Werkzeug.
Was kommt als Nächstes für KI-Agenten im Browser?
Magnus sieht den größten Trend 2026 darin, verschiedene Datenquellen zu verbinden. „Unser Ziel als Firma ist, dass wir alle unsere Informationen in eine zentrale Schnittstelle verbinden können. Eine zentrale Intelligenz, der wir einfach Fragen stellen: Hey, schreib E-Mails für mich, analysiere das für mich."
Dabei spielt der Browser eine Schlüsselrolle. Denn fast jede geschäftliche Software läuft im Browser – von CRM-Systemen über Buchhaltung bis zu Projektmanagement-Tools. Wer die Browser-Schicht kontrolliert, kontrolliert letztlich den Zugang zur digitalen Arbeitswelt.
Magnus hebt auch Claude Code als aktuellen Trend hervor: „Hier in San Francisco ist Claude Code über die letzten zwei Monate noch mal so viel besser geworden. Alle nutzen es – nicht nur Programmierer, sondern auch Leute, die gar nichts mit Coding zu tun haben."
Die Vision von Browser Use: Du nutzt die KI von überall aus – ob von WhatsApp, Telegram oder deinem Computer. Ein Agent, der alle deine Daten kennt und Aufgaben im Browser erledigt.
Was können Unternehmen jetzt schon mit Browser Use machen?
Die konkreten Einsatz-Bereiche wachsen schnell. Browser Use eignet sich bereits heute für:
- Formulare automatisch ausfüllen – einmal aufnehmen, tausendfach wiederholen
- Daten im großen Stil extrahieren – aus Webseiten, Portalen und Suchmaschinen
- CRM-Systeme pflegen – Kontakte anlegen, Leads zuordnen, Follow-ups starten
- Qualitäts-Tests – Webseiten automatisch auf Fehler prüfen
- Login-Prozesse automatisieren – auch über komplexe Anmelde-Seiten
Die Pro-Version kostet 30 Dollar im Monat. Das Open-Source-Framework bleibt kostenlos. Wer die Technik erlernen und als AI Automations Manager beruflich einsetzen will, findet hier eines der wichtigsten Tools der nächsten Jahre.
Fazit: Warum Browser Use das KI-Tool der Stunde ist
Magnus Müller zeigt mit Browser Use, was passiert, wenn deutsche Ingenieurs-Präzision auf Silicon-Valley-Tempo trifft. In weniger als zwei Jahren hat sein Team ein Open-Source-Projekt aufgebaut, das heute von Fortune-500-Unternehmen genutzt wird und fast 80.000 GitHub Stars hat.
Die zentrale Erkenntnis aus dem Interview: Der Browser ist der unterschätzte Hebel für KI-Agenten. Nicht das Chat-Fenster, nicht die API – sondern die Fähigkeit, Webseiten wie ein Mensch zu bedienen, entscheidet über den echten Nutzen von KI im Arbeitsalltag.
Browser Use liefert genau diese Fähigkeit. Und mit der rasanten Entwicklung von Modellen wie Claude Sonnet 4.6 und Gemini 3.1 Pro wird die Kombination aus leistungsstarkem KI-Modell und zuverlässiger Browser-Steuerung immer mächtiger.
Für alle, die KI nicht nur verstehen, sondern produktiv einsetzen wollen, führt an Browser Use kein Weg mehr vorbei.





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