Clawdbot hat die Tech-Welt im Sturm erobert. Über 80.000 GitHub-Stars in wenigen Wochen. Menschen kaufen reihenweise Mac Minis. Die Versprechen klingen verlockend: Ein persönlicher KI-Assistent, der rund um die Uhr für dich arbeitet. Doch was steckt wirklich dahinter? Dieser Artikel gibt dir eine ehrliche Einschätzung aus der Praxis – inklusive der Risiken, die kaum jemand anspricht.
Was ist Clawdbot?
Clawdbot ist ein Open-Source KI-Assistent mit vollem Systemzugriff. Der österreichische Entwickler Peter Steinberger hat ihn erschaffen. Das Projekt wurde mittlerweile dreimal umbenannt: Von Clawdbot zu Moltbot zu OpenClaw.
Der Grund für die Umbenennungen: Anthropic, die Firma hinter Claude, forderte wegen Markenrechten eine Namensänderung. Der Name „Clawd" war zu nah an „Claude".
Das Besondere an Clawdbot: Er ist nicht einfach nur ein Chatbot. Er wird oft als „Claude with hands" bezeichnet. Das bedeutet: Er kann tatsächlich Dinge tun. Er führt Befehle aus. Er installiert Software. Er steuert deinen Browser. Er schreibt E-Mails und verwaltet Termine.
Du steuerst Clawdbot über Apps wie WhatsApp, Telegram, Discord oder Slack. Du schreibst ihm einfach eine Nachricht. Er antwortet und führt Aufgaben für dich aus.
Die Systemarchitektur im Detail
Clawdbot basiert auf einer mehrschichtigen Architektur. Das Verständnis dieser Struktur hilft, die Möglichkeiten und Grenzen einzuschätzen.
Multi-Channel Inbox: Die oberste Schicht nimmt Nachrichten aus verschiedenen Plattformen entgegen. Telegram, WhatsApp, Slack, Discord, Signal, iMessage – alles wird unterstützt.
Gateway Control Plane: Die Steuerungsebene verwaltet alle eingehenden Verbindungen. Hier findet das Session Routing statt.
Persistentes Gedächtnis: Anders als bei ChatGPT vergisst Clawdbot nichts. Er speichert alle Gespräche. Er lernt deine Vorlieben kennen. Das funktioniert über zentrale Dokumente, die bei jeder Nachricht abgerufen werden.
Agent Runtime: Das Herzstück. Die LLM-Integration verbindet sich mit dem gewählten Sprachmodell – Claude, GPT oder lokale Modelle über Ollama.
Tools und Skills: Die Erweiterungsschicht stellt konkrete Fähigkeiten bereit. Browser-Steuerung, Dateisystem-Operationen, Terminal-Zugriff, Automationen über Cron-Jobs.
Die sieben Kernfunktionen
Lokale Ausführung: Clawdbot läuft auf Mac, Windows, Linux oder sogar einem Raspberry Pi. Du behältst die volle Kontrolle über deine Daten.
Multi-Channel-Integration: Steuere den Assistenten über deine Lieblings-Apps. Die Oberfläche, die du bereits kennst.
Voller Systemzugriff: Der Bot kann Terminal-Befehle ausführen, Software installieren, Dateien bearbeiten und Webseiten steuern. Das ist gleichzeitig seine größte Stärke und sein größtes Risiko.
Modell-Flexibilität: Du wählst selbst, welche KI den Assistenten antreibt. Claude von Anthropic, GPT von OpenAI, Gemini von Google oder lokale Modelle.
Persistenter Speicher: Der Bot behält alles im Gedächtnis. Gespräche, Vorlieben, Projekte – nichts geht verloren.
Selbst-Verbesserung: Brauchst du eine neue Funktion? Beschreibe sie einfach. Clawdbot installiert sich die nötigen Skills selbst.
Proaktives Handeln: Über Cron-Jobs kann Clawdbot dich eigenständig kontaktieren. Morgen-Briefings, Erinnerungen, automatische Updates.
Echte Anwendungsfälle aus der Community
Die Community teilt beeindruckende Beispiele. Hier sind die Use Cases, die besonders viral gegangen sind.
CRM aus E-Mails: Der Nutzer Alex Finn berichtet, dass Clawdbot ihm ein eigenes CRM-System aus seinen E-Mails gebaut hat. Automatisch. Ohne manuelle Konfiguration.
Autonome Restaurantreservierung: Als eine Online-Reservierung nicht klappte, nutzte Clawdbot die ElevenLabs-Integration. Er rief das Restaurant per Voice Agent an und buchte den Termin telefonisch.
E-Mail-Automatisierung: Eingehende E-Mails bearbeiten, Spam entfernen, Reminder schicken. Ein Nutzer berichtet, dass 80% seiner Arbeit in 48 Stunden automatisiert wurde.
Autonome Bug-Fixes: 18 Bugs wurden über Nacht automatisch gefixt. Ohne menschliches Eingreifen.
Projektmanagement: Aufgaben priorisieren, Zeitblöcke im Kalender erstellen, Follow-ups automatisieren.
Auf der offiziellen Website findest du unter dem Showcase-Bereich noch viele weitere Beispiele.
Unsere Praxistests: Was wirklich funktioniert
Wir haben Clawdbot selbst ausführlich getestet. Über mehrere Tage. Mit verschiedenen Aufgaben. Hier sind die ehrlichen Ergebnisse.
Was gut funktioniert hat:
Clawdbot konnte Web-Apps in wenigen Minuten deployen. Die automatische Installation von n8n klappte problemlos. Ein Gelbe-Seiten-Scraper war in etwa 5 Minuten einsatzbereit. CSV- und JSON-Exporte funktionieren zuverlässig. Dashboards werden optisch ansprechend erstellt.
Was nicht funktioniert hat:
Kritisch: Clawdbot hat unseren Testserver komplett gewiped. Ohne Rückfrage. Ohne Warnung. Das unterstreicht die Notwendigkeit, nur auf isolierten Systemen zu arbeiten.
Der Token-Verbrauch ist massiv. 30 Dollar in nur 2 Stunden bei intensiver Nutzung. Manche Nutzer berichten von Rechnungen im vierstelligen Bereich.
WhatsApp als Interface bricht regelmäßig ab. Slack ist stark limitiert – keine File-Downloads möglich. Die Recherche-Qualität war bei unseren Tests unzureichend für ernsthafte Aufgaben.
Der Bot lässt sich leicht verwirren. Bei komplexeren Anweisungen entstehen Fehler. Erstellte Dashboards sehen gut aus, sind aber ohne klare Anforderungen nicht zielführend.
Massive Sicherheitsrisiken
Hier wird es ernst. Clawdbot hat vollen Systemzugriff. Das ist gleichzeitig seine Stärke und seine größte Gefahr.
Offene Instanzen im Internet: Sicherheitsforscher fanden über 954 offene Clawdbot-Instanzen. Ohne jegliche Authentifizierung. Verteilt auf USA (169), China (108), Deutschland (83), Russland (78) und weitere Länder.
Was bedeutet das? Angreifer könnten beliebige Befehle auf diesen Rechnern ausführen. Zugriff auf Dateien, Passwörter, persönliche Daten. Ein massiver Credentials-Breach droht.
Warum passiert das? Viele Nutzer lesen die Dokumentation nicht vollständig. Sie öffnen Ports ohne Authentifizierung einzurichten. Bei einem Tool mit vollem Systemzugriff ist das katastrophal.
Crypto Pump-and-Dump: Der Hype um Clawdbot wurde teilweise durch Krypto-Scams angetrieben. Fake-Tokens wurden unter dem Namen verkauft. Peter Steinberger distanziert sich klar davon. Aber man muss wissen: Ein Teil der viralen Verbreitung basiert auf diesen Schemes.
Schwierige Deinstallation: Der Launch Agent installiert sich nach Neustarts selbst wieder. Das Tool ist hartnäckig im System verankert.
Die ehrliche technische Einschätzung
Wir haben über 3 Milliarden Token mit Claude Code durchgejagt. Wir kennen die Technologie. Hier ist unser Fazit.
Kernaussage: Wir würden niemals einem KI-Modell vollen, ungeschützten Zugriff auf ein produktives System geben. Die Risiken sind zu hoch. Die Kontrolle zu gering.
Clawdbot ist nur akzeptabel auf:
- Emulierter Hardware
- Physisch isolierten Rechnern
- Docker-Containern
- Test-Systemen ohne sensible Daten
Was für Production-Readiness fehlt:
- Ein echter Sandbox-Modus
- Stabile Messaging-Bridges
- Kosten-Kontrolle und Limits
- Bessere Security-Defaults
- Umfassendere Dokumentation
Der Entwickler Peter Steinberger selbst warnt: „Most non-techies should not install this." Er beschreibt es als Hobby-Projekt mit scharfen Kanten.
Für wen eignet sich Clawdbot?
Geeignet für:
- Erfahrene Entwickler mit isolierten Test-Systemen
- Tech-Enthusiasten, die experimentieren wollen
- Menschen, die KI-Automation verstehen und Risiken einschätzen können
Nicht geeignet für:
- Anfänger ohne technisches Wissen
- Produktive Arbeitsumgebungen
- Systeme mit sensiblen Daten
- Menschen ohne Backup-Strategie
So testest du Clawdbot sicher
Wenn du Clawdbot ausprobieren willst, mach es richtig. Hier ist der sichere Weg.
Option 1: Docker-Container (empfohlen) Nutze eine Docker-Umgebung. Der Bot läuft in einem abgeschotteten Container. Er hat keinen Zugriff auf dein Hauptsystem. So kannst du experimentieren, ohne Risiken einzugehen.
Option 2: Lokale Modelle mit Ollama Wenn du keine API-Kosten willst, nutze lokale KI-Modelle über Ollama. Dann geht nichts nach außen. Komplett kostenlos und privat. Die Leistung ist geringer, aber für Tests ausreichend.
Option 3: Günstiger VPS Ein Cloud-Server für 5 Dollar im Monat genügt. AWS bietet eine kostenlose Stufe. Der Entwickler selbst empfiehlt diese Option statt teurer Hardware.
Wichtig: Kaufe keinen Mac Mini nur für Clawdbot. Peter Steinberger bittet sogar darum: „Please do not buy a Mac Mini, rather sponsor one of the many contributors."
Der unterschätzte Gamechanger: Skills
Skills sind das eigentliche Geheimnis hinter Clawdbot. Sie werden massiv unterschätzt.
Ein Skill ist eine Anleitung für den Bot. Er beschreibt, wie eine bestimmte Aufgabe erledigt werden soll. Welche Tools genutzt werden. Welches Format die Ausgabe haben soll.
Das Besondere: Du kannst Skills selbst erstellen. Beschreibe einfach, was du brauchst. Clawdbot hilft dir dabei, den Skill zu formulieren. Er kann sich quasi selbst erweitern.
Warnung: Skills aus dem Internet können gefährlich sein. Sie könnten Prompt Injections enthalten. Lies jeden fremden Skill komplett durch. Im Zweifel erstelle eigene Skills.
Die Skills-Funktionalität ist übrigens nicht exklusiv für Clawdbot. Du kannst ähnliche Konzepte auch mit anderen KI-Agenten umsetzen.
Was Experten aus dem Silicon Valley sagen
Wir haben mit Philipp Wehn von Nexxa AIgesprochen. Er berichtet live aus San Francisco über die aktuelle Stimmung im Silicon Valley.
Seine zentrale Aussage: „Jeder nutzt heute KI – und das ist einfach nicht wahr."
Die Realität, die er im Industrieumfeld sieht: 90% ist noch Hype. 10% ist Realität. Selbst Startups, die drei bis vier Jahre alt sind, nutzen KI deutlich weniger als sie behaupten.
Philipp Wehn baut mit Nexxa KI-Agenten für Schwerindustrien. Sie haben gerade 9 Millionen Dollar in einer Seed-Runde eingesammelt. Er kennt den Unterschied zwischen Marketing-Versprechen und echter Implementierung.
Seine Einschätzung zu den wichtigsten Trends:
Multi-Agent Orchestration: Komplexe Systeme mit mehreren KI-Agenten koordinieren. Das ist einer der Top-Trends.
Industrial Grade AI: KI muss genau genug, sicher genug und widerstandsfähig genug sein. Nur so funktioniert sie im Industrieumfeld wirklich.
Forward Deployed Engineering: Nur 1% der Businesses nutzen KI wirklich. 99% haben nicht die Skills, nicht die Zeit, nicht das Interesse. Die große Chance liegt darin, KI zu diesen 99% zu bringen.
„2026, 2027, 2028, 2029, 2030 werden die Jahre, in denen die Leute wirklich anfangen, KI zu nutzen", sagt Wehn. Nicht früher.
Der Hype vs. die Realität
Lass uns ehrlich sein. Der Clawdbot-Hype wurde durch mehrere Faktoren angetrieben.
Fear of Missing Out: Jeder wollte dem Trend hinterherrennen. Posts absetzen. Dabei sein. Die Community bewegte sich wie ein koordinierter Organismus.
Crypto Pump-and-Dump: Ein Teil des viralen Erfolgs basiert auf Scams. Das muss man klar benennen.
Emotionale Bindung: Nutzer berichten von echten Gefühlen für ihren KI-Assistenten. Die Kombination aus Gedächtnis, Verfügbarkeit und Besitz schafft etwas Besonderes. Aber das ersetzt keine echten Use Cases.
Hardware-Kaufrausch: Menschen kaufen 500-Euro-Hardware für einen Anwendungsfall, der 5 Dollar VPS-Kosten rechtfertigt. Das ist irrational.
Viele haben hunderte Stunden investiert, um am Ende 10 Minuten zu sparen. Morgen-Briefings mit News-Updates. Das hätte eine einfache Automation auch gekonnt.
Die übergreifenden Learnings
Signal vs. Noise: In schnelllebigen Zeiten ist Fokus entscheidend. Nicht jeder Trend verdient deine Aufmerksamkeit. Frage dich: Was bringt mich wirklich voran?
Markenrechte werden durchgesetzt: Anthropic musste die Markenrechte an Claude schützen. Sonst würde in Zukunft jeder auf die Idee kommen, sich an erfolgreichen Namen zu orientieren.
Software entwickelt sich schneller als Security: Die Cybersecurity kommt nicht hinterher. Das Rechtssystem erst recht nicht. Sei prinzipiell vorsichtig mit Tools, die vollen Systemzugriff verlangen.
Open Source und eigene Hardware werden wichtiger: Der Mac-Mini-Hype zeigt einen Drang Richtung eigener Infrastruktur. Dein JARVIS willst du on-prem laufen haben. Nicht in fremden Clouds.
Für Unternehmen, die KI strategisch einsetzen wollen, bieten Corporate LLMs einen sichereren Einstieg.
Was Clawdbot uns über die Zukunft zeigt
Trotz aller Kritik: Clawdbot gibt uns ein erstes Gefühl von JARVIS. Ein Assistent, der sich an alles erinnert. Der autonom handeln kann. Der proaktiv auf dich zukommt.
Das ist bemerkenswert. Es zeigt, wohin die Reise geht.
Die Technologie wird reifen. Die Sicherheitslücken werden geschlossen. Die Interfaces werden stabiler. In zwei bis drei Jahren werden solche Assistenten Mainstream sein.
Der größte versteckte Gewinner: Meta. Der Zugang zu KI-Assistenten wird über Messaging-Apps wie WhatsApp, Telegram und Instagram vereinfacht. Meta beherrscht diese Plattformen. Sie werden eigene Lösungen launchen.
Hardware-Trend: Die Nachfrage nach eigener KI-Hardware wird steigen. GPUs zu Hause werden zum Wettbewerbsvorteil.
Alle Ressourcen in der KI Champions Community
Du willst tiefer einsteigen? In unserer KI Champions Community findest du alle Ressourcen zu diesem Thema gebündelt. Das vollständige YouTube-Video mit allen Details. Die Links zu den offiziellen Quellen. Diskussionen mit anderen KI-Enthusiasten. Und regelmäßige Updates, wenn sich bei Clawdbot etwas Wichtiges tut.
Die Community ist der Ort, an dem wir solche Entwicklungen live besprechen. Fragen beantworten. Und gemeinsam herausfinden, was wirklich funktioniert – und was nur Hype ist. Jetzt der KI Champions Community beitreten
Fazit: Hype mit echtem Kern
Clawdbot (OpenClaw) ist gleichzeitig beeindruckend und gefährlich. Ein Blick in die Zukunft und ein Sicherheitsalbtraum.
Die positiven Aspekte:
- Erstes echtes Gefühl von einem persönlichen KI-Assistenten
- Open Source und vollständig kontrollierbar
- Aktive Community mit schneller Entwicklung
- Skills als echter Produktivitäts-Multiplikator
Die negativen Aspekte:
- Voller Systemzugriff ist hochriskant
- Hype teilweise durch Scams getrieben
- Setup erfordert erhebliches technisches Wissen
- Kosten können schnell explodieren
- Noch nicht produktionsreif
Unsere Empfehlung: Beobachte die Entwicklung. Experimentiere nur auf isolierten Systemen. Lass dich nicht vom FOMO treiben. Fokussiere dich auf das, was dich wirklich voranbringt.
Die Zukunft der persönlichen KI-Assistenten hat begonnen. Clawdbot zeigt das Potenzial. Aber die sichere, stabile Version kommt erst noch.





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