Die EU-Inc steht vor dem Durchbruch. Nach Jahren der Diskussion über Europas Start-up-Schwächen hat die EU-Kommission das Projekt endlich in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen. Ab 2027 könnten Gründer erstmals ein Unternehmen gründen, das in allen 27 EU-Staaten gilt.
In diesem Artikel erfährst du alles über die paneuropäische Gesellschaftsform. Du lernst, was genau hinter der Initiative steckt und wie deutsche Unternehmen davon profitieren. Außerdem teilen wir exklusive Einblicke aus dem Gespräch mit Andreas Klinger, dem Hauptinitiator der EU-Inc-Bewegung.
Was ist die EU-Inc eigentlich?
Die EU-Inc ist eine geplante einheitliche Rechtsform für Unternehmen in Europa. Sie soll als 28. Regime neben den 27 nationalen Gesellschaftsformen existieren. Das Ziel: Gründen in 48 Stunden mit nur einem Euro Startkapital.
Aktuell muss ein Start-up für jedes EU-Land eine eigene Tochter-gesellschaft gründen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. Die neue Struktur soll diesen Flickenteppich aus 27 Rechtsordnungen beenden.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nur 8 Prozent der weltweiten Scale-ups haben ihren Sitz in der EU. In Nordamerika sind es 60 Prozent. Diese Lücke will die EU-Inc schließen.
Andreas Klinger: Der Mann hinter der Bewegung
Andreas Klinger ist Österreicher und einer der profiliertesten Tech-Unternehmer Europas. Er war Gründungsmitglied und CTO von Product Hunt. Später arbeitete er als VP Engineering bei CoinList und Head of Remote bei AngelList.
Heute leitet er den Venture-Capital-Fonds Prototype Capital. Dieser hat gerade 15 Millionen Euro für europäische Robotik-Start-ups eingesammelt. Sein Fokus liegt auf Automatisierung, Fertigung und physischer KI.
Die EU-Inc-Initiative startete er Ende 2024 mit einer Gruppe von Gründern und Investoren. Was als WhatsApp-Gruppe begann, wurde zur einflussreichsten Graswurzel-Bewegung der europäischen Tech-Szene.
Das Interview: Klingers Vision für Europa
Im Gespräch mit Everlast AI erklärt Klinger die Kernprobleme europäischer Start-ups. Er sagt: „Europa hat historisch immer starke Unternehmen hervorgebracht. In den vergangenen 20 Jahren kommen aber alle neuen globalen Player aus den USA."
Der Grund liegt laut Klinger im Risikokapital. Ein Start-up aus Kalifornien kann problemlos Geld aus New York, San Francisco oder Dubai einsammeln. In Europa hingegen fischen die meisten Gründer nur im nationalen Teich.
Weniger als 18 Prozent aller Frühphasen-Investments in Europa sind tatsächlich paneuropäisch. Das bedeutet: Wer nicht genug lokale Investoren hat, kann keine Runde schnell abschließen. Die Fragmentierung ist das Kernproblem.
Die konkreten Vorteile der EU-Inc
Die neue Gesellschaftsform bringt mehrere entscheidende Verbesserungen. Zunächst die digitale Gründung. Ein zentrales EU-Register soll als One-Stop-Shop alle Prozesse bündeln. Alles läuft komplett online ab.
Dann die standardisierten Investment-Dokumente. Internationale Investoren müssen künftig nur noch ein Rechtssystem prüfen. Das macht Europa für Risikokapital aus aller Welt attraktiver.
Besonders wichtig ist das geplante EU-ESOP. Damit können Unternehmen ihren Mitarbeitern einheitliche Aktienoptionen anbieten. Aktuell unterscheiden sich die Regeln in jedem EU-Land erheblich.
Der aktuelle Stand der Gesetzgebung
Im Mai 2025 wurde die EU-Inc Teil des offiziellen Arbeitsprogramms der EU-Kommission. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat das Projekt beim Weltwirtschaftsforum in Davos persönlich vorgestellt.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Im ersten Quartal 2026 soll die Kommission ihre Gesetzesvorschläge veröffentlichen. Nach Beratungen im EU-Parlament könnte die EU-Inc 2027 in Kraft treten.
Klinger zeigt sich optimistisch: „Im besten Fall könnte 2028 bereits die erste Firma in der neuen Gesellschaftsform starten." Die Namensgleichheit zwischen dem offiziellen Brüsseler Vorschlag und der Bürger-Initiative sieht er als starkes Signal.
Herausforderungen auf dem Weg zur Umsetzung
Trotz der Fortschritte gibt es Widerstand. Einige EU-Parlamentarier haben einen Gegenvorschlag eingebracht. Dieser sieht das 28. Regime als Richtlinie statt als Verordnung vor.
Klinger kritisiert das scharf: „Das Ziel ist ein gemeinsamer Standard. Das bedeutet, es muss in allen EU-Ländern eins zu eins gleich sein. 27 einzelne Regulierungen haben wir bereits und brauchen wir nicht nochmal."
Seine Botschaft an die Politik ist deutlich: „Macht es richtig oder macht es gar nicht." Notariate und etablierte Unternehmen profitieren von der aktuellen Fragmentierung. Sie könnten die Reform verwässern wollen.
Was bedeutet das für deutsche Unternehmen?
Für den deutschen Mittelstand ergeben sich echte Chancen. Wer bisher über Ländergrenzen expandieren wollte, brauchte teure Parallelstrukturen. Die EU-Inc könnte diese Kosten drastisch senken.
Besonders Tech-Start-ups mit digitalen Geschäftsmodellen profitieren. Sie können schnell skalieren und sind auf internationale Talente angewiesen. Die vereinfachte Rechtsform macht beides einfacher.
Auch etablierte Mittelständler sollten die Entwicklung beobachten. Wer bereits Tochtergesellschaften in mehreren EU-Ländern hat, könnte später umstrukturieren. Eine modulare Unternehmensstruktur erleichtert den späteren Wechsel.
KI-Unternehmen als Hauptgewinner
Die EU-Inc kommt zur richtigen Zeit für die KI-Branche. Europäische KI-Start-ups stehen vor dem gleichen Problem wie alle anderen: Sie müssen schnell skalieren, um global wettbewerbsfähig zu sein.
Klinger investiert mit seinem Fonds gezielt in Robotik und physische KI. Er sieht Europa hier im Vorteil: „Europa hat die Industrie erfunden. Wir sind die Wiege der Präzisionsfertigung und führend in Automatisierung."
Wer sich heute schon mit KI-Agenten beschäftigt, sollte auch die rechtlichen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Die EU-Inc könnte den Unterschied machen zwischen lokalem Nischenplayer und globalem Erfolg.
So kannst du die Initiative unterstützen
Die EU-Inc-Petition kann jeder auf eu-inc.org unterzeichnen. Über 16.000 Menschen haben das bereits getan. Darunter die Gründer von Personio, DeepL, Revolut und Bolt.
Nach der Unterzeichnung erhältst du regelmäßige Updates zum Fortschritt. Klinger betont: „Nationale Regierungen müssen die Dringlichkeit verstehen. Sprecht mit euren Politikern über die EU-Inc."
Für Gründer mit besonders ambitionierten Ideen hat Klinger noch einen Tipp. Sein Fonds Prototype Capital sucht aktiv nach Start-ups im Bereich Robotik und Automatisierung. Die typischen Investitionen liegen zwischen 200.000 und 400.000 Dollar.
Wettbewerbsfähigkeit im globalen KI-Rennen
Die EU-Inc ist Teil einer größeren Strategie. Europa will bei Schlüsseltechnologien wie KI nicht weiter zurückfallen. Die neue Struktur ergänzt andere Initiativen wie die geplante Kapitalmarktunion.
Der Vergleich mit den USA ist ernüchternd. Der amerikanische Venture-Capital-Markt entspricht 0,7 Prozent des BIP. In Deutschland sind es nur etwa 0,2 Prozent. Diese Lücke bremst Innovation.
Gleichzeitig zeigen Modelle wie GPT-5.2, wohin die Reise geht. KI-Unternehmen brauchen massive Investitionen und schnelle Skalierung. Europäische Gründer können dabei nicht länger durch Bürokratie behindert werden.
Der Draghi-Bericht als Weckruf
Die Initiative steht im Kontext des Draghi-Berichts zur EU-Wettbewerbsfähigkeit. Mario Draghi hatte die zersplitterten nationalen Märkte als Haupthindernis für Wachstum identifiziert.
Auch der Letta-Bericht kam zum gleichen Schluss. Beide hochrangigen Politiker unterstützen die EU-Inc ausdrücklich. Das gibt der Initiative politisches Gewicht auf höchster Ebene.
Die Botschaft ist klar: Europa muss handeln. Einmal abgewanderte Lieferketten und Talente kommen nicht zurück. Netzwerkeffekte fixieren sie am neuen Standort.
Praktische Schritte für Gründer
Sollten Gründer mit Expansionsplänen bis 2027 warten? Keinesfalls, sagt Klinger. Wer heute gründet, sollte parallel planen. Kurzfristig mit bestehenden Strukturen arbeiten und gleichzeitig die Entwicklung beobachten.
Eine modulare Unternehmensstruktur erleichtert den späteren Umstieg. Wer jetzt schon sauber dokumentiert und standardisiert arbeitet, spart sich später Aufwand bei der Umstellung.
Für alle, die sich professionell mit KI-Implementierung beschäftigen möchten, bietet die AI-Agentur Kickstart Ausbildung einen strukturierten Einstieg. Gerade in Verbindung mit den neuen EU-Strukturen ergeben sich spannende Chancen für Gründer.
Fazit
Die EU-Inc könnte der wichtigste Meilenstein für europäische Start-ups seit Jahrzehnten werden. Sie adressiert ein echtes Problem: die lähmende Fragmentierung des europäischen Marktes.
Andreas Klinger und seine Mitstreiter haben bewiesen, dass Graswurzel-Initiativen Brüssel bewegen können. Die Namensgebung durch die EU-Kommission zeigt: Die Politik hört zu.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das konkrete Chancen. Schnellere Gründung, einfachere Expansion, besserer Zugang zu Kapital. Wer die Entwicklung jetzt verfolgt und sich vorbereitet, ist den Wettbewerbern voraus.
Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend. Der Gesetzesvorschlag 2026 und die Umsetzung 2027 werden zeigen, ob Europa sein Versprechen hält. Eines ist sicher: Die europäische Tech-Szene wird so nicht mehr lange auf bessere Bedingungen warten.


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