Post-Labor Economy ist ein Wirtschaftsmodell, in dem KI und Roboter den Großteil menschlicher Arbeit ersetzen. Im VORSPRUNG-Podcast von Everlast AI diskutieren Leonard Schmedding, Pero Micic, Andreas Moring und Kim Isenberg, wie schnell dieser Umbruch eintrifft und welche Lehren wir für Unternehmen ziehen sollten.
Warum diese Debatte jetzt stattfindet
Sam Altman und Dario Amodei haben fast zeitgleich gewarnt. KI verdrängt Arbeitsplätze schneller als die Gesellschaft sich anpassen kann. Altman sagt, Washington sei nicht vorbereitet. Amodei rechnet mit 50 Prozent verdrängter Einstiegsjobs in Büro, Recht und Finanzen.
Diese Stimmen kommen nicht aus dem linken Lager. Sie kommen aus dem Kern des Silicon Valley. Beide CEOs fordern eine ehrliche Debatte über die Folgen. Wir bei Everlast AI nehmen die Warnung ernst und diskutieren ihre Bedeutung für deutsche Unternehmen.
Die aktuellen Arbeitsmarktzahlen
Die US-Hiring-Rate fiel im Februar 2026 auf 3,1 Prozent. Das ist das schwächste Tempo seit 15 Jahren. Im Tech-Sektor fehlen seit ChatGPT-Launch 330.000 IT-Jobs. Im März 2026 war KI erstmals Entlassungsgrund Nummer eins bei Challenger.
Im ersten Quartal 2026 zählte Challenger über 27.000 KI-Layoffs. Das sind neunmal mehr als im gesamten Vorjahr. Oracle baut 30.000 Stellen ab, um in KI zu investieren. Trotz Capex-Investitionen von 400 bis 600 Milliarden Dollar pro Jahr entstehen kaum neue Stellen.
Hollowing Out: wie KI Jobs aushöhlt
Die US-Datenbank zerlegt 950 Berufe in 19.000 Einzelaufgaben. Ein Job ist ein Container aus 20 bis 50 konkreten Tätigkeiten. Anthropic beziffert 94 Prozent kognitiver Arbeit als theoretisch automatisierbar. Aktuell sind 33 Prozent erreicht.
Pero Micic nennt diesen Effekt Hollowing. Mitarbeiter bleiben angestellt, doch KI übernimmt einzelne Aufgaben. Die Job-Pyramide wird von unten ausgehöhlt. Schon bei 50 Prozent Verdrängung kollabiert das System der abhängigen Beschäftigung. Erste Anzeichen zeigen sich bei Versicherern wie Lemonade.
Barbell Economy und permanente Unterschicht
Andreas Moring beschreibt die Hantel-Ökonomie. Oben wachsen High-Skill-Jobs mit 56 Prozent Lohnaufschlag für KI-Skills. Unten bleiben physische Restarbeiten. Die Mittelschicht zerbröselt zwischen beiden Polen. Genau dieser Mittelbau trug in Deutschland seit den siebziger Jahren den sozialen Frieden.
Kim Isenberg warnt vor einer permanenten Unterschicht. Wenn KI die Abhängigkeit Arbeitnehmer zu Arbeitgeber auflöst, verschwindet das klassische Machtinstrument Streik. Der Gini-Koeffizient der USA stieg seit 1990 von 0,43 auf 0,49. Das sind 14 Prozent mehr Ungleichheit.
Hyperdeflation statt Inflation
Lohnkosten machen heute 10 bis 60 Prozent der Produktionskosten aus. KI und Robotik senken diesen Anteil rapide. Tesla peilt 20.000 bis 30.000 Dollar pro Optimus-Roboter an. Goldman Sachs meldet 40 Prozent gefallene Produktionskosten allein 2025.
Pero Micic erwartet langfristig eine deflationäre Welt. Produkte und Dienstleistungen werden billiger statt teurer. Wer produktives Vermögen besitzt, gewinnt. Wer nur Lohn bezieht, verliert. Vertieft haben wir das Modell in unserem Beitrag Post-Labor Economy: KI, Roboter und das Ende der menschlichen Arbeit.
Lösungsansätze aus dem Silicon Valley
Open AI fordert in einem 13-seitigen Paper einen Staatsfonds nach Alaska-Modell. Dazu eine Roboter-Steuer und Verlagerung der Steuerbasis vom Lohn zum Kapital. Sam Altman schlägt eine 32-Stunden-Woche und automatische Sicherheits-Netze vor. Elon Musk diskutiert Universal High Income.
Pero Micic sieht das bedingungslose Grundeinkommen kritisch. Er bevorzugt eine negative Einkommenssteuer für Bedürftige plus Eigentum an produktivem Kapital. Universal Basic Services lehnt er ab. Sie schaffen staatliche Quasi-Monopole und nehmen Bürgern die freie Wahl beim Anbieter.
Was Deutschland und Europa droht
Hier liegt das deutsche Kernproblem. Roboter-Steuer und Kapitalertragssteuer funktionieren nur dort, wo der Reichtum entsteht. Open AI sitzt in Kalifornien. Tesla, Figure und Anthropic sitzen ebenfalls in den USA. Unitree sitzt in China. In Deutschland sitzt fast nichts davon.
China verkauft 2026 deutlich weniger deutsche Autos und exportiert mehr eigene. Der Außenhandels-Überschuss schmilzt. Wer in Berlin auf eine Roboter-Steuer der amerikanischen Frontier-Labs hofft, irrt. Diesen Aspekt vertiefen wir im Beitrag zu Deutschlands KI-Krise.
Kränkung oder Befreiung?
Sigmund Freud nannte drei narzisstische Kränkungen: Kopernikus, Darwin, Freud selbst. KI bringt jetzt die vierte Kränkung. Der Mensch verliert die Rolle als intelligentestes Wesen. Eine Umfrage in der Everlast-Community zeigt: 50 Prozent würden ihren Job an KI abgeben.
Pero Micic sieht darin eine Chance. Im Überfluss-Szenario übernehmen Roboter und KI die Pflichtarbeit. Menschen wählen frei, was sie tun. Sie schreinern als Hobby, sie singen am Lagerfeuer, sie forschen aus Neugier. Voraussetzung dafür ist Eigentum an produktivem Kapital für breite Schichten.
Was Unternehmer jetzt tun sollten
Pero Micic empfiehlt eine harte Selbst-Reflexion. Welches Team baut gerade ein einfacheres, schnelleres und billigeres Geschäftsmodell als unseres? Diese Schablone gehört über das eigene Unternehmen gelegt. AI-First-Prozesse statt iterative Optimierung sind der Hebel für 2026.
Bei Everlast AI bauen wir gerade unser Team an AI-Driven Software Developern aus. Diese Talente nutzen Claude Code und agentische Workflows. Sie performen klassische Teams aus. Der Markt zahlt dafür 56 Prozent Lohnaufschlag laut aktuellen Branchenstudien.
Fazit
Die Post-Labor Economy ist kein fernes Szenario mehr. Erste Effekte zeigen sich in Hiring-Quoten, Tech-Layoffs und Software-Bewertungen. Pero Micic, Andreas Moring und Kim Isenberg liefern eine der ehrlichsten Analysen zum Thema im deutschsprachigen Raum.
Unternehmen mit klaren Prozessen, AI-Native-Architektur und Produktivitäts-Fokus gewinnen. Wer abwartet, gehört zur abgehängten Mittelschicht der Hantel-Ökonomie. Die Post-Labor Economy zwingt uns zu einer ehrlichen Debatte über Eigentum, Status und Sinn jenseits der Erwerbsarbeit.
Häufige Fragen
Was bedeutet Post-Labor Economy?
Die Post-Labor Economy beschreibt eine Wirtschaft, in der KI und Roboter den Großteil bezahlter Arbeit übernehmen. Löhne verlieren als Mechanismus zur Wohlstandsverteilung an Bedeutung. Stattdessen entscheiden Eigentum an produktivem Kapital, KI-Skills und Zugang zu Rechenleistung über individuellen Wohlstand. Das Modell ersetzt das System der abhängigen Beschäftigung, das seit der industriellen Revolution dominiert hat.
Wann kommt die Post-Labor Economy in Deutschland an?
Die ersten Anzeichen zeigen sich seit 2025. Die US-Hiring-Rate liegt auf einem 15-Jahres-Tief. Im März 2026 war KI erstmals Entlassungsgrund Nummer eins bei Challenger. Pero Micic spricht von einer S-Kurve über zehn bis fünfzehn Jahre. Bis dahin durchläuft die Wirtschaft zuerst ein Krisen-Szenario, dann ein Überfluss-Szenario.
Warum ist bedingungsloses Grundeinkommen umstritten?
Open AI hat 1.000 Menschen über drei Jahre 1.000 Dollar pro Monat gezahlt. Das Ergebnis: kaum Effekt auf Beschäftigung, kaum Effekt auf Gesundheit. Pero Micic bevorzugt eine negative Einkommenssteuer plus Anteile an produktivem Kapital. Sam Altman rückt selbst von Universal Basic Income ab und fordert Ownership statt passives Einkommen.
Welche Jobs sind am stärksten gefährdet?
Hochakademische Büroberufe trifft es zuerst. Juristen, Steuerberater, Finanzanalysten und Software-Entwickler im Junior-Bereich. Anthropic misst 94 Prozent automatisierbarer kognitiver Arbeit. Handwerk gilt zehn bis fünfzehn Jahre als sicher. Doch auch dort übernehmen KI-Systeme rund 70 Prozent White-Collar-Anteil wie Verwaltung und Angebotserstellung. Die Mittelschicht gerät beidseitig unter Druck.
Wie sollten Unternehmen sich vorbereiten?
Pero Micic empfiehlt das AI-First-Prinzip. Erst prüfen, ob das aktuelle Team mit KI und Robotik die Aufgabe löst. Erst dann neu einstellen. Wissen muss aus Köpfen in Systeme wandern. Prozesse müssen dokumentiert werden, bevor erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen. Energiekosten und Bürokratie sind Rahmenbedingungen, kein Handlungshindernis.
















































.png)




