Lars Hinrichs gründete 2003 Xing und gilt als einer der prägendsten deutschen Tech-Unternehmer. 2006 brachte er das Netzwerk als weltweit erstes Web-2.0-Unternehmen an die Börse. Heute schaut er auf die KI-Welle aus Unternehmer-Sicht.
Der Xing-Gründer Lars Hinrichs im Interview bringt drei klare Thesen. Klassische SaaS-Modelle geraten durch KI unter Druck. Europas Wert und Business-Relevanz sinken im globalen Vergleich. Gleichzeitig öffnet KI die größte Chance seit dem Internet.
Hinrichs zeigt, welche Geschäftsmodelle kippen. Er erklärt, warum Europa am Kapital scheitert. Und er nennt die Felder, die ihn als Unternehmer aktuell reizen.
Vom Internet-Pionier zum KI-Vordenker: Der Werdegang von Lars Hinrichs
Schon 1989 war Hinrichs online, lange vor dem World Wide Web. Xing war seine dritte Firma. Auslöser war ein eigenes Problem. Er wollte die Kontakte seiner Kontakte kennenlernen, was kein Outlook leisten konnte.
Drei Jahre nach dem Start führte er Xing an die Börse. Das Besondere: Gewinne ab Tag eins. Statt auf Anzeigen zu setzen, nutzte Hinrichs ein Premium-Modell. Das war 2003 ein Novum in Europa. Kein Marketing-Budget, dafür virales Wachstum: Freunde warben Freunde.
2009 verkaufte er den Großteil seiner Aktien. Seitdem treibt ihn eine Kernfrage: Wie verändert Technologie Leben, Arbeit und Kultur? Seine aktuelle Antwort ist eindeutig. Künstliche Intelligenz hat den größten positiven Effekt auf die Menschheit seit dem Start des World Wide Web.
SaaS ist tot: Warum klassische Software-Modelle kippen
Für Hinrichs steht fest: SaaS-Modelle, die nur ein Feature sind, haben keine Zukunft. KI ersetzt sie binnen Tagen. Als Beleg führt er ein persönliches Beispiel an. An einem Wochenende baute er mit KI-Agenten ein eigenes Event-Management-System. 400.000 Zeilen Code, ohne Entwickler-Hintergrund.
Das zeigt den neuen Standard. Wer eine einzelne Funktion als SaaS verkauft, verkauft eine Eintags-Fliege. Tools wie Claude Code beschleunigen jeden Prozess massiv. Hinrichs setzt in mehreren seiner Firmen zu 100 Prozent auf dieses Modell.
Die Konsequenz ist hart. Geschäftsmodelle, die tief im Kunden-Alltag verankert bleiben, überleben. Der Rest wird austauschbar. Wie stark diese Welle inzwischen rollt, zeigt unser Artikel zur SaaS-Disruption durch KI-Agenten und dem Billionen-Kursverlust.
Europa verliert den Anschluss: Die harte Bestandsaufnahme
Die Zahlen sind ernüchternd. Spotify steht bei 170 Milliarden Dollar Marktwert. Revolut folgt mit 75 Milliarden. SAP bleibt der dritte Riese. Danach kommt lange nichts.
KI-Anbieter aus den USA bewegen sich bereits in Billionen-Regionen. Europa fällt zurück, im Wert und in der Relevanz. Hinrichs benennt die Ursachen klar. Zu früh verkaufen, zu wenig Kapital. Der Deutschland-Fonds mit 10 Milliarden Euro? Ihm fehlen zwei Nullen.
Es gibt Lichtblicke. Das deutsche Startup Quant baut photonische Chips, die bis zu 50-mal schneller sind als aktuelle Nvidia-Chips. Elf Labs und Black Forest Labs liefern Weltklasse. Doch das Kapital kommt meist aus den USA. Beim nächsten Exit landet der Wert dann wieder drüben. Diese Dynamik greift auch unsere Analyse zu Chinas KI-Dominanz und Europas Anschluss-Verlust auf.
Software ohne Oberfläche: Die Zukunft liegt bei Agenten
Hinrichs sieht einen klaren Trend. Agenten laufen schon heute im Hintergrund, ohne dass Nutzer es merken. Die klassische Oberfläche wird leiser. Das iPhone bleibt noch lange, doch die großen Sprünge passieren im Betriebs-System.
Ein Beispiel liefert Apple selbst. Die Kooperation mit Google bringt Gemini in Siri. Apple baut die eigene KI-Sprach-Technik zurück. Hinrichs nutzt Gemini inzwischen häufiger als ChatGPT. Der Wettbewerb zwischen den Modellen verschiebt sich täglich.
Neue Hardware-Kategorien treiben den Wandel mit. KI-Brillen, smarte Ringe, vernetzte Wearables. Mehr Geräte hängen am Netz, mehr Agenten arbeiten autonom. Wer heute ein Unternehmen ohne KI gründet, so Hinrichs, braucht gar nicht erst anzufangen.
UBS Digital Art Museum: Kunst als Antwort auf KI-Slop
Sein aktuelles Großprojekt öffnet 2026 in der Hamburger HafenCity. Auf 6.500 Quadrat-Metern zeigt das UBS Digital Art Museum das japanische Kollektiv Teamlab. Die Werke entstehen in Echtzeit durch Algorithmen. Hunderte Hochleistungs-Projektoren und KI-Systeme formen ein lebendiges Öko-System.
Die Idee kam 2016 in Süd-Frankreich. Hinrichs sah ein Teamlab-Werk und reiste daraufhin nach Tokio, Helsinki und London. 2019 unterzeichnete er mit der Stadt Hamburg den Letter of Intent. Seit 2022 läuft der Bau.
Warum dieses Projekt jetzt? Hinrichs beobachtet den Trend zu realen Erlebnissen als Gegen-Bewegung zu KI-Slop. Immer mehr Menschen wollen menschlich geschaffene Kunst und echten Kontakt. Das Museum liefert beides. Über 10.000 Tickets sind bereits verkauft.
Der Appell des Xing-Gründers: Was Unternehmer jetzt tun müssen
Der häufigste Fehler? Gar nicht anfangen. Hinrichs beschreibt Unternehmer als Menschen mit positivem Gen-Defekt, die Risiko mögen. Wer jeden Tag neue Chancen sieht, kommt ins Tun.
Die zweite Regel: Arbeite an dem, wofür du brennst. Nicht dort, wo das meiste Geld liegt. Hinrichs nennt konkrete Zukunfts-Felder. Telekommunikation, Batterien, Kernfusion und Mikro-Roboter für Katastrophen-Hilfe. Alles verbunden durch KI.
Sein Leitspruch bringt es auf den Punkt. Wer aufhört besser zu werden, hört irgendwann auf gut zu sein. Daraus folgt ein klarer Auftrag. Setze KI nicht nur für Gedichte und Textzusammen-Fassungen ein. Nutze sie für echte Hebel im Alltag. Baue Systeme, die Kunden nicht mehr loslassen.
Fazit: Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Interview mit Lars Hinrichs
Der Xing-Gründer Lars Hinrichs im Interview liefert drei klare Botschaften. Erstens: SaaS-Modelle ohne tiefen Sitz im Kunden-Alltag werden durch KI ersetzt. Zweitens: Europa muss Kapital und Wachstum neu denken, sonst verliert der Kontinent den Anschluss dauerhaft. Drittens: KI ist die größte Chance seit dem Internet, aber nur für Unternehmer, die jetzt handeln.
Sein Museum in Hamburg verbindet Technologie und menschliche Erfahrung. Das UBS Digital Art Museum öffnet 2026 und markiert für viele den Start einer neuen Kunst-Epoche. Der Appell bleibt. Anfangen, lernen, KI aktiv nutzen. Wer das verstanden hat, gehört zu den Gestaltern der nächsten Dekade.

































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